Der Tunnel Munt la Schera ist das Nadelöhr auf dem Weg nach Livigno.
Der Tunnel Munt la Schera ist das Nadelöhr auf dem Weg nach Livigno. © Mayk Wendt

Viel Verkehr bei Olympia 2026

Jürg Wirth Im Februar finden in Italien die Olympischen Winterspiele statt. Einer der Austragungsorte ist Livigno. Der Ort ist nur auf zwei Wegen zu erreichen. Einer davon führt durch die Schweiz: durch den Tunnel Munt la Schera bei Zernez. Ein Verkehrskonzept soll Staus und Wartezeiten vermeiden.

Vom 6. bis zum 22. Februar 2026 finden in Italien die Olympischen Winterspiele statt. Italien ist nicht die Schweiz, trotzdem tangiert dieser Grossanlass das Engadin und das Val Müstair stark. Dies zeigt ein Blick auf die Austragungsorte: Dazu gehört neben Cortina d’Ampezzo, Bormio, Tesero, Predazzo und Antholz insbesondere Livigno. Das einstige Bauerndorf ist Austragungsort der Freestyle-Disziplinen auf einem und zwei Brettern. Titel und Medaillen gibt es beinahe täglich zu gewinnen, unter anderem auf der Buckelpiste, im Big Air, Slopestyle, Ski- und Boardercross, in der Halfpipe und im Parallelslalom. 

Der Zollfreiort Livigno liegt idyllisch auf einer Hochebene, zählt 7000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt im Zentrum des geographischen Quadrats, das sich aus St. Moritz, Poschiavo, Zernez und Müstair bilden lässt. Im Sommer ist der Ort auf drei Wegen zu erreichen: Aus Italien über Bormio, und aus der Schweiz über den Abzweiger am Bernina-Pass oder durch den Munt La Schera-Tunnel. Dieser liegt zwischen dem Ofenpass und Zernez. 
Im Winter hingegen ist die Anfahrt aus der Schweiz nur durch den Tunnel möglich. Dann ist der Zugang über den Berninapass wegen Lawinengefahr geschlossen und eine Öffnung nur für die Olympischen Spiele käme viel zu teuer. Also bleibt nur die Zufahrt zum Munt la Schera via Zernez oder den Ofenpass. 
Angelegt und betrieben von den Engadiner Kraftwerken, führt der einspurige Tunnel bereits beim normalen Winter-Transitverkehr nach Livigno zum Teil zu langen Wartezeiten. Während den Olympischen Spielen rechnen die Veranstalter an Spitzentagen mit rund 10'000 Gästen täglich. Das Tiefbauamt des Kantons Graubünden schätzt, dass 3000 bis 4000 über die Schweiz anreisen werden. Darauf basierend hat der Kanton ein Verkehrskonzept für die Zeit während der Spiele erarbeitet. Es wird schätzungsweise fünf Millionen Franken kosten. Den Löwenanteil dürfte Graubünden selbst berappen müssen, da sich Italien in Sachen Kostenübernahme bislang in vornehmer Zurückhaltung übt.

Um diese Disziplinen vorschriftsgemäss durchzuführen, haben die Livignasci keinen Aufwand gescheut und die Halfpipe oder Cross-Piste direkt in den Berg gegraben. Dadurch werde weniger Schnee gebraucht, versichern die Veranstalter. Dies ist ein guter Ansatz, lag doch bis Ende Dezember noch sehr wenig Schnee.

Während sich aufgrund dünner Schneedecke vor allem die Organisatoren in Italien Sorgen machen, blicken die Nachbargemeinden aus der Schweiz respektive der Kanton Graubünden aus anderen Gründen bange auf die Zeit im Februar. Es ist die Hochsaison für Winterferien. Und tausende Gäste wollen gar nicht nach Livigno, sondern einfach im Engadin ihre Ferien machen. Welche Auswirkungen der Grossanlass in Livigno hat, kann noch nicht genau gesagt werden. Es kommt auch stark aufs Wetter an. Fällt in der Zeit viel Schnee, ist das Chaos auf den Strassen vorprogrammiert. Aber auch ohne Schneefall kann es zu Staus und viel Verkehr kommen.

Das Verkehrskonzept des Kantons setzt vor allem auf den Öffentlichen Verkehr.
Das Verkehrskonzept des Kantons setzt vor allem auf den Öffentlichen Verkehr.

Anreise mit öffentlichem Verkehr

Ob nach Scuol, Zernez, Samnaun, ins Val Müstair oder eben nach Livigno: Ein Verkehrskonzept soll für die bestmögliche An- und Abreise sorgen. Der Kernpunkt liegt dabei auf dem Personentransport mit dem öffentlichen Verkehr, wie Andrea Mittner von der Kantonspolizei Graubünden sagt. Deshalb ist es Privatpersonen nicht erlaubt, rund um die Olympischen Spiele mit ihrem Auto durch den Munt la Schera-Tunnel zu fahren. 

Möglich ist dies nur für akkreditierte Sportlerinnen und Sportler und Personen mit offiziellen Funktionen, Hotelgäste mit Nachweis der Übernachtung und alle, welche üblicherweise über die Grenze pendeln. Für diese könnte die Reise jedoch zur Geduldsprobe werden, denn Priorität beim Tunnelverkehr haben die Shuttlebusse. Die Pkws werden je nach Kapazität hinter den Bussen aufgereiht, und dies auch nur zu bestimmten Zeiten: von 19.00 Uhr bis 06.00 Uhr morgens und von 10.00 bis 14.30 Uhr. Die übrigen Slots sind den Bussen vorbehalten.

Da zahlreiche Arbeitskräfte aus Livigno ins Engadin pendeln, dürfte das auch für die hiesigen Betriebe eine Herausforderung werden, deren Lösung noch offen ist. Unter Umständen entwickelt sich gar eine Lotterie, ob die Mitarbeitenden pünktlich zur Arbeit erscheinen oder nicht.

Shuttlebusse im Einsatz

Deshalb wollen die Behörden möglichst viele Besuchende auf die Shuttlebusse bringen und am besten auch auf den Zug. Wer nicht bereits zuhause die Bahn nimmt, soll dies spätestens in Landquart tun. Dazu stellt der Kanton am Bahnhof Landquart beim Outlet-Center 180 zusätzliche Parkplätze zur Verfügung. Sie kosten rund CHF 30.00 pro Tag. Ab Landquart fährt der Zug nach Zernez, wo die Gäste via Shuttlebus durch den Tunnel nach Livigno gelangen.

Wer trotzdem mit dem Auto zum Tunnel fahren will, muss viel Zeit und Mehrkosten einrechnen. Die Umwege durch das Unterengadin oder das Val Müstair dauern deutlich länger als die öV-Variante. Und wer den Autoverlad Vereina wählt, steht dort bis zu drei und mehr Stunden im Warteraum. Zum Vereina-Ticket kommen hohe Parkgebühren hinzu. Die Park+Ride-Plätze bei Zernez kosten CHF 70.00 pro Tag und ohne Mehrwertsteuer. Das soll möglichst viele motivieren, die Bahn zu nehmen. Aus Sicherheitsgründen stellt Zernez dennoch 1400 Parkplätze zur Verfügung. Weitere 630 gibt es in Müstair, von wo aus ebenfalls ein Shuttlebus nach Livigno fährt.

Bei den hohen Parkgebühren besteht das Risiko, dass die Leute auf die Gratisparkplätze in den Dörfern ausweichen. Da empfiehlt Mittner den Gemeinden ein Gesuch zum Kurzparken von maximal 2 Stunden einzureichen. Val Müstair und Landquart hätten dies bereits getan, sagt er. Wer die Parkzeit überschreitet, kann gebüsst werden. Stehen die Autos jedoch regelkonform auf den Gratisparkplätzen, können die Halterinnen und Halter nicht belangt werden. 

Transit-Vignette

Um den motorisierten Verkehr zu lenken, werden mehrere Kontrollposten eingerichtet. Auch dort ist mit Wartzeiten zu rechnen. Stau droht insbesondere bei den Kontrollen an den beiden Eingängen in Zernez und von der Abzweigung in Zernez Richtung Ofenpass. Weiter kontrolliert die Polizei den Verkehr auch beim Park+Ride in Müstair, in Tschierv, bei Ova Spin am Ofenpass und vor dem Tunnel. Um diese Kontrollen einfacher und vor allem zügig zu passieren, empfiehlt Mittner die sogenannte Transit-Vignette herunterzuladen und gut sichtbar ins Auto zu legen. Sie ist kostenlos zugänglich (s. Link unten).

Wie sich der Verkehr effektiv entwickelt, wird sich zeigen. Ob Ferien oder Olympische Spiele: Empfehlenswert ist auf jeden Fall die Anreise mit der Bahn. Das erleichtert auch der Gepäckservice von SBB und zahlreichen Hotels. Und wer trotzdem mit dem Auto kommt: Falls möglich die An- und Abreise ausserhalb der Hauptanreisetage organisieren. Mit Staus und langen Wartezeiten beim Vereina ist insbesondere am 7. und 14. Februar zu rechnen. 

Infos des Kantons und Link zur Transit-Vignette: gr.ch/olympia2026

Olympischen Winterspiele 2026: Aktuelle Infos und Tipps zur An- und Abreise in die Regionen Engadin Scuol Zernez, Samnaun und Val Müstair unter engadin.com/verkehr26

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