Er kommt am 6. Dezember und bringt den Kindern Gaben in Form von Nüssen, Lebkuchen, Mandarinen und Süssigkeiten, weshalb sich die Kinder allesamt auf diesen Tag freuen. Obwohl, ein bisschen bange ist ihnen manchmal schon, denn nicht selten erhebt er den Mahnfinger und hat für die ganz Unartigen in seinem Jutesack auch eine «Fitze» (Rute) versteckt. Der «Samichlaus» ist aber ein gütiger Mann, der keine Kinder schlägt. Die Rute dient höchstens als Untermalung seiner Ermahnungen, was nicht selten genügend Wirkung erzeugt.
Herkunft des Nikolaus-Brauchs
Der Nikolaus-Brauch geht auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück, einen Bischof aus dem 4. Jahrhundert, der für seine Mildtätigkeit gegenüber Armen und Kindern bekannt war und ihnen Essen schenkte. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wurde im Mittelalter zum Anlass, Kindern als Zeichen der Nächstenliebe kleine Gaben zu überreichen. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich christliche und volkstümliche Rituale, und es entstanden die lokalen Traditionen, wie man sie auch heute im Unterengadin, Samnaun und Val Müstair erleben kann.
Roter Nikolaus oder Bischof
Viele Kinder kennen den Nikolaus als alten Mann mit langem weissen Bart, im roten Mantel mit Kapuze, begleitet von seinem Gehilfen in brauner Kutte, dem Schmutzli, und einem Esel, der den Sack mit den Geschenken trägt. In katholischen Dörfern jedoch ist der Nikolaus ein Bischof mit Bischofsmütze, Stab und liturgischem Gewand, meist begleitet von ein bis zwei Ministranten. Eines haben beide gemeinsam – sie kommen immer von weit, weit her aus dem tiefen verschneiten Wald und lassen mit ihren Gaben Kinderherzen höherschlagen.
Einblick in gelebte Tradition
Etwas haben die Dörfer im Unterengadin und Val Müstair gemeinsam: Es obliegt meist der Jugend beziehungsweise den örtlichen Jugendvereinen, den Nikolaustag für die Kinder zu gestalten und zu organisieren. Auf Bestellung kommt der «Samichlaus» mit dem Schmutzli oder – wie in Müstair – der Bischof mit dem Ministranten nach Hause und bringt den Kindern das traditionelle fein gefüllte Nikolaussäckchen. Einige Dörfer – Fuldera beispielsweise – kennen noch die Tradition, dass der Nikolaus mit dem Schmutzli und dem Esel aus dem Wald in das Dorf einzieht. Die Kinder besammeln sich, es wird gesungen, Verslein aufgesagt und natürlich verteilt der Nikolaus seine Gaben an die Kinderschar.
Samnaun hingegen kennt den Brauch des «Clau Wau». Am Tag vor dem Nikolaustag, am 5. Dezember, wird der Nikolaustag eingeläutet. Da ziehen die Kinder aller fünf Samnauner Dörfer als Nikoläuse oder Schmutzli von Haus zu Haus, singen Lieder, die sie schon im November eingeübt haben, und sammeln Geld für die Schulkasse. Am Nikolaustag selbst macht dann der Nikolaus auch Hausbesuche.
Wissenswert: San Niclà
Am Ortsrand des Weilers San Niclà steht eine kleine Kirche, die dem heiligen Nikolaus geweiht wurde und damit dem Ort seinen Namen verleiht. Heute obliegt die Kirche der Stiftung «Fundaziun pro Baselgia San Niclà», welche die Räumlichkeiten für kirchliche und kulturelle Anlässe nutzt.