San Gian in Ardez
San Gian in Ardez © zvg

San Gian in Guarda und in Ardez

Jürg Wirth Nicht alle Bräuche können sich in die Neuzeit retten, zumindest nicht überall – beispielsweise der Brauch des San Gian.

Der Brauch des San Gian findet am 24. Juni statt, respektive, fand, für Guarda, denn dort ist der Brauch seit einigen Jahren ausgestorben. Dies, obwohl «Il plü bel temp da l’on quai es intuorn San Gian», also die schönste Zeit des Jahres um den San Gian sei, wie sie es in Guarda nannten. Es besammelten sich die Knaben mit allerlei Spritz-Utensilien, also Wasserpistolen, Fahrradpumpen und selbst gemachten Spritzen sowie weiss der Gugger mehr im Dorf und zogen von Brunnen zu Brunnen, wo sie ihre Spritzgeräte «luden». Danach galt es auf alles zu spritzen, was gerade vorbeikam, am liebsten natürlich auf Mädchen. Schliesslich stand das Wasser als Fruchtbarkeitssymbol und das Spritzen auf Mädchen, …. Immerhin besser, als mit Schweineblasen auf diese einzuschlagen, wie dies in Ftan am Chalandamarz geschieht.

Die Knaben zogen durchs Dorf und bekamen bei jedem Haus – wohnten dort Mädchen, war es gar Pflicht – ein Ei geschenkt. Diese sammelten sie auf dem Wagen, den sie mitzogen und teilten sie am Schluss unter allen Knaben, dem Alter entsprechend auf. 

Der Text steht in der Vergangenheitsform, weil es diesen Brauch nicht mehr gibt. Anfangs der 80er Jahren sei er aufgegeben worden, weiss Maria Morell, Guardanerin. Einerseits fehlte der Nachwuchs, andererseits hätten die Grossen einmal übertrieben und die Kinder einer Schulklasse, die in Guarda im Lager war, dermassen abgespritzt, dass es nachher eine empfindliche Busse gegeben habe. 

Wer aber San Gian doch mal noch erleben möchte, dem sei ein Ausflug nach Ardez empfohlen, dort wird am 24. Juni immer noch kräftig gespritzt.

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