Fünf Fragen an Sarah Kuratle

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden? Als kleines Kind war da die Freude am mündlichen Erzählen. Mit dem Schreibenlernen kam eine Faszination fürs Formulieren hinzu. In Geschichten und Worten, die ich hörte, las oder selbst wählte, versuchte ich zu ergründen, wie es ist, auf der Welt zu sein. In Gedichten entwickelte ich die Sprache fürs Erzählen. Als junge Erwachsene hatte ich dann den Wunsch, ein Buch zu schreiben.

Was ist das Schwierigste am Buchschreiben? Den Anfang zu formulieren, fällt mir am schwersten. Aber ohne den Anfang kann ich meinen Figuren, ihrer Geschichte nicht näherkommen. Es braucht diese bestimmten Worte, einen Rhythmus, eine Melodie, damit mein Erzählen in Fluss kommt. Bei «Chimäre» habe ich monatelang auf den ersten Absatz gewartet, der erste Satz lautet jetzt: «Ich ging im Fluss meine Hände waschen.»

Wie entwickeln Sie Ihre Geschichten? Auf eine erste Idee zur erzählten Welt folgt meist eine längere Zeit, in der ich über die Figuren nachdenke, hineinspüre, recherchiere, Notizen und Exzerpte schreibe. Sobald ich am Romantext sitze, arbeite ich mich Satz für Satz vor, spreche die Wörter laut, ehe ich sie aufschreibe, lese mir die Sätze vor, überschreibe sie. Ich muss gut hinhören, dorthin, wo das menschliche Erleben brüchig ist.

Wann ist ein Buch fertig? Bei beiden meinen Romanen «Chimäre» und «Greta und Jannis» hat mich der Schluss überrascht. Was ich über die Figuren erzählen konnte, war erzählt. Das merke ich auch daran, dass mich die Figuren nicht mehr so beschäftigen. Sie begleiten mich nicht länger im Alltag, haben Platz für neue Figuren, andere Geschichten gemacht. Aber wer weiss, ob sie irgendwann nicht doch zurückkommen.

Leben Sie vom Schreiben oder wovon sonst? Ich bin Autorin und Bibliothekarin. Um Worte und Bücher dreht sich also meine Arbeit da wie dort.

arah Kuratle, geboren 1989, ist schweizerisch-österreichische Autorin. Sie studierte Germanistik und Philosophie. 2020 war sie Stipendiatin in der Fundaziun Nairs. Ihr zweiter Roman «Chimäre» (Otto Müller Verlag), für den sie den Kreationsbeitrag von Pro Helvetia erhielt, ist ein Buch auch zu Artenvielfalt und Artenschwund. Die erste Idee dazu kam Kuratle an einer der bunten Trockenwiesen im Engadin.
arah Kuratle, geboren 1989, ist schweizerisch-österreichische Autorin. Sie studierte Germanistik und Philosophie. 2020 war sie Stipendiatin in der Fundaziun Nairs. Ihr zweiter Roman «Chimäre» (Otto Müller Verlag), für den sie den Kreationsbeitrag von Pro Helvetia erhielt, ist ein Buch auch zu Artenvielfalt und Artenschwund. Die erste Idee dazu kam Kuratle an einer der bunten Trockenwiesen im Engadin. © zvg

Am Samstag, 14. Februar 2026, um 17.00 Uhr findet die Buchvernissage von «Chimäre» im Hotel Üja in Scuol statt. Eine Veranstaltung der Libraria Poesia Clozza.

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