Mit spektakulären Schwüngen und geübten Griffen treten sich die Schwinger im Sägemehl gegenüber.
Mit spektakulären Schwüngen und geübten Griffen treten sich die Schwinger im Sägemehl gegenüber. © Bündner Kantonaler Schwingerverband (BKSV)
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Schwingen mit Aussicht

Jürg Wirth Am 13. und 14. Juni finden auf Motta Naluns in Scuol das Bündner-Glarner-Schwingfest und das Buebeschwinget statt. Höhepunkte im Kalender der Schwinger genauso wie beim Publikum.

«Das diesjährige BüGla (Bündner-Glarner-Schwingfest) wird das höchstgelegene Schwingfest aller Zeiten werden», proklamiert Reto Rauch stolz. Denn das traditionsreiche Schwingfest findet auf Motta Naluns ob Scuol auf 2150 Meter über Meer statt. Schwingen mit Aussicht gewissermassen, auch wenn die Athleten während der Kämpfe wenig davon haben werden, dazwischen dafür umso mehr. Und natürlich kann auch das Publikum die Aussicht geniessen. Welche Aussicht jetzt mehr gezogen hat, die in die Berge oder die auf die interessanten Paarungen, bleibe dahingestellt, jedenfalls sind die 1000 Plätze auf der Tribüne bereits ausverkauft, vermeldet Reto Rauch schon Mitte April. Rauch ist OK-Präsident des Festes, für welches sich der Schwingclub Engadin mit Präsident Michi Beer verantwortlich zeichnet. Den Grundstein dafür legten die beiden an der EBexpo 2023 in Scuol, wie Rauch erzählt. Damals habe ihn Beer angefragt, ob er das OK-Präsidium übernehmen würde, wenn die Engadiner den Zuschlag erhielten. Da Rauch noch selten einer Herausforderung aus dem Weg gegangen ist, hat er zugesagt. Der Schwingclub hat den Zuschlag erhalten und jetzt sind sie alle gemeinsam am Organisieren. Gemeinsam bedeutet in einem rund zehnköpfigen Komitee, später unterstützt von gegen 250 Voluntaris. 

Aufwändiges Regelwerk

Etwas einlesen in die ganze Schwingerwelt und das Regelwerk für Veranstaltungsorte habe er sich schon müssen, bekennt der Betreiber des Reitstalls San Jon in Scuol. Wohl habe er schon einige Schwingfeste besucht, weil ihm der Sport gefalle, auch geschwungen habe er mal am Plantahof-Schwinget, sei aber fürchterlich unter die Räder gekommen. Regeltechnisch und vorschriftsbezüglich habe er sich gar nicht ausgekannt. Jetzt weiss er beispielsweise, dass man von den vier Ringen aus keine Werbung sehen dürfe. Eine durchaus spezielle und gar nicht so einfach umzusetzende Vorgabe. Nun hängen die Plakate dann halt am Festzelt oder sonst wo. Denn auf Sponsoren ist angewiesen, wer einen solchen Anlass auf die Beine stellt. Rund eine halbe Million Franken beträgt das gesamte Budget, etwa CHF 150’000 davon sollen mit Sponsoren abgedeckt werden. Ein nicht unwesentlicher Teil entfällt dabei auf den Gabentempel, der sich durchaus sehen lassen kann. Da gibt es einen Stier, den Reto Zanetti stiftet, ein Rind von Jachen Andri Schmidt und ein Eringer-Rind von Toni Brunner, zudem ein Fohlen von Reto Rauch. Dieses war allerdings Mitte April noch nicht geboren. Dazu kommen Plumpen, Waschmaschinen, Bänke, Sportartikel und und und. Insgesamt warten 140 Preise auf die erfolgreichen Schwinger. Und natürlich warten auf die Wettkämpfer auch vier sauber präparierte Sägemehlringe. Jeder mit einem Durchmesser von 14 Metern, gefüllt mit mindestens 15 cm gewalztem Sägemehl, was einem Volumen von 35 m3 losen Sägemehlspänen entspricht. 

Anspruchsvolle Transporte

Damit wären wir bei einer der Herausforderungen, welche so ein Höhenschwinget mit sich bringt. Bekanntlich wachsen über 2’000 Meter keine Bäume mehr, weshalb die Sägemehlproduktion vor Ort nicht infrage kommt. Die Späne müssen also transportiert werden, vom Tal auf den Berg, aus der Sägerei von Michi Beer nach Motta Naluns. Insgesamt vier Lastwagen mit rund 120 Kubikmeter sind dafür nötig. Auch die gesamte übrige Infrastruktur muss transportiert werden, von lokalen Transporteuren und Bauern. Dies sei eigentlich die grösste Herausforderung, sagt Rauch. Für das Publikum sei der Austragungsort grosse Klasse, sprich Aussicht und beste Erreichbarkeit, erst mit Zug, dann mit der Gondelbahn. Doch eben der ganze Rest müsse halt transportiert und dann vor Ort zusammengebaut und aufgestellt werden. Dies geschehe alles durch Voluntaris aus dem Tal. Es seien immer etwa die gleichen, die dabei sind und helfen, hat Rauch festgestellt. Also kommt eigentlich alles aus der Region, Sägemehl, Voluntaris und auch ein Grossteil der Preise.

Mit Schwingerkönig Orlik

Eher nicht nur aus der Region hingegen sollten die Schwinger kommen, schliesslich wollen die Zuschauenden hochstehende Kämpfe sehen. Ein Garant dafür ist sicherlich Schwingerkönig Armon Orlik, doch würden auch noch sechs weitere «Eidgenossen» antreten, verrät Rauch. Diese stammen aus den beiden im Titel vorkommenden Kantonen. Die Nachbarkantone habe man bereits eingeladen und die technischen Leiter würden dann die Teilnehmer bestimmen. Rauch freut sich auf die Thurgauer und St. Galler Athleten, denn die beiden Kantone könnten spannende Schwinger schicken, ist er überzeugt. Dies, obwohl die Athleten, anders als beispielsweise bei Tennisturnieren, nicht mit Geld gelockt werden. Im Gegenteil, sie müssten sogar noch einen kleinen Turnierbeitrag bezahlen. Trotzdem kommen bei den Aktiven 140 und bei den Buben auch.

 

Bleibt nur noch ein Faktor, der einen wichtigen Einfluss auf ein gelungenes Fest hat – das Wetter. Stimmt auch dieses – und dafür stehen die Chancen im Engadin bekanntlich gut – steht dem schönsten und höchstgelegenen Schwingfest nichts mehr im Wege.

 

 

Die wichtigsten Schwünge, erklärt von den Experten von «Schlussgang», der Schwingerzeitung

schlussgang.ch

engadin.com/de/buendner-glarner-schwingfest

Äusserer Haken

Der Angreifer greift mit der rechten Hand über den Rücken des Gegners an dessen Gurt und hält mit der linken Hand den Oberarm fest. Mit seinem rechten Fuss macht er eine Bewegung hinter das rechte Bein des Gegners, hängt aussen ein und dreht nach links ab. Die Ausübung dieses Schwunges ist auch auf die rechte Seite möglich. Spezialisten dieses Schwunges waren der Nidwaldner Ruedi Odermatt oder auch Schwingerkönig Matthias Sempach.

© Schlussgang

Kurz

Kein Schwung wird häufiger angewendet als der Kurz. Von den Standschwüngen ist dieser der erste, der einem Neueinsteiger beigebracht wird. Dieser Griff ist auch so häufig, weil er auf verschiedene Arten gezogen werden kann. Die gängigste Variante ist eine Körperfinte nach links, um anschliessend mit dem linken Bein zwischen die Beine des Gegners zu gelangen. Mit festem Griff folgt eine Drehung nach rechts. Matthias Siegenthaler und Matthias Glarner gelten besonders als Kurz-Spezialisten.

© Schlussgang

Brienzer vorwärts

Der Brienzer vorwärts ist eine der effektivsten Waffen für Schwinger mit körperlichem Nachteil. Der Brienzer kann vorwärts wie auch rückwärts gezogen werden, wobei die erstere Variante deutlich öfter zu sehen ist. Der Angreifer fasst Griff über die Schulter am Gurt des Gegners. Er hängt mit dem Bein beim Gegner ein, packt mit der anderen Hand dessen Oberarm. Er hebt das Bein an und leert nach vorne rund ab.

© Schlussgang

Wyberhaken

Warum dieser anspruchsvolle Schwung so bezeichnet wird, ist umstritten. Sicher ist, dass er in der Regel zum Plattwurf führt. Der Angreifer attackiert den Gegner mit einem Gammen, klemmt dann das gegnerische Bein mit den eigenen Beinen ein und hakt nachher übers Kreuz mit dem anderen Bein ein. Dadurch ist der Gegner in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und kann sich kaum mehr ausdrehen. Vielen aktiven Spitzenschwingern diente Heinz Suter als Vorbild für diesen Schwung, der links wie rechts ausgeführt werden kann. Absolute Wyberhaken-Spezialisten sind die Gebrüder Guido und Mario Thürig, sowie der Schwyzer Martin Grab. Auch das langjährige Innerschweizer Aushängeschild, der Muotathaler Heinz Suter, war ein Wyberhaken-Spezialist.

© Schlussgang

Hüfter

Der Hüfter ist bei guter Ausführung eine starke Waffe für kleinere Schwinger. Mit einer ruckartigen Bewegung des eigenen Gesässes nach links wird der Gegner über das eigene Hinterteil auf den Rücken gedreht. Wichtig zur Fixierung bei diesem Schwung ist der Griff mit der linken Hand an den rechten Oberarm des Gegners. Diese Aktion ist auch in anderen Kampfsportarten wie Judo oder Ringen zu beobachten. Kilian Wenger, Andreas Ulrich und Armon Orlik beherrschen diesen Schwung sehr gut.

© Schlussgang

Gammen

Der Gammen ist ein klassischer Angriffsschwung, den die Zuschauer oft zu sehen bekommen. Dazu hakt der Angreifer entweder mit seinem linken Bein am rechten des Gegners oder umgekehrt ein. Mit gleichzeitigem Vorwärtsdruck aus dem Oberkörper wird der Gegner rücklings aus dem Gleichgewicht gebracht. Dieser Schwung ist die absolute Spezialwaffe von Arnold Forrer, wobei er sich dank seiner Grösse erlauben kann, den Schwung auch etwas höher als üblich an der gegnerischen Ferse anzusetzen. Auch Christian Stucki wuchtete gelegentlich seine Gegner mit diesem Rezept auf den Rücken.

© Schlussgang

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