Wann und wieso haben Sie sich entschieden, der Künstlerin in Ihnen mehr Raum zu geben? Was hat Sie vorher daran gehindert? Das war keine Entscheidung, das hat sich aus der Lebenssituation so ergeben. Daran gehindert haben mich vier Töchter, 40 Pferde, 32 Hektaren Land….und das Gerücht, dass ich ein feinmotorisches Defizit habe und deshalb nicht zeichnen könne….
Sie arbeiten mit natürlichen Materialien wie Ei und Öl, mögen das Leichte, Verschwindende auf schwerem Untergrund. Wieviel Landwirtschaft, respektive Kräuteranbau steckt in Ihren Arbeiten? Mit Kräutern und Blüten habe ich experimentiert, aber die Ergebnisse haben mich nicht überzeugt. Hingegen mag ich verschiedene Erden, Sand, morsches Holz und Mist von Kleinwiederkäuern in den Grundierungen. Wenn es irgendwo noch alte Heutücher und Käsetücher zu finden gäbe, würde ich die aber unverzüglich in meine Arbeit integrieren…
Jetzt arbeiten Sie dann drei Wochen bei Artinresidenza in Lavin. Vorher lebten sie eine Zeitlang in einem buddhistischen Kloster in Frankreich. Wie wichtig sind solche Auszeiten und was entsteht dabei? Ich bin ja oft alleine am Arbeiten und dann ist es sehr still. Im Kloster ist man mit vielen Menschen und es ist auch sehr still. Keiner fragt, woher kommst du, was machst du? Und doch wird man in die Gemeinschaft integriert und es entsteht Verbundenheit. Ein solcher Aufenthalt ist wie eine gute Suppe, sie nährt und wärmt.
Zwei, drei Worte zum Projekt Fenstertücher, das Sie in Lavin verfolgen möchten? Ich liebe es, wenn Dinge frei im Raum hängen, sich mit der Luft bewegen, vom Tageslicht beeinflusst werden. Je nach Raumsituation gibt es in Lavin eher Wäscheleinen als Fenstertücher, oder beides.
Sie sehen auch den Austausch mit den Leuten vom Dorf vor, haben quasi ein offenes Atelier. Was erwarten Sie davon? Ich hoffe sehr, dass die Leute unkompliziert hereinschneien, ohne Berührungsangst. Sie können mir in die Töpfe und auf die Finger schauen. Ich bin völlig offen und natürlich hoffe ich auch ein wenig, ab und zu Romanisch sprechen zu können…