Glücksbringer aus der Fremde
Schwalben werden in verschiedenen Kulturen als Glücksbringer verehrt. Sie sollen das Haus vor Blitz und Unheil schützen und dem Vieh Gutes tun. Schwalben sind Symbole für Wohlstand und Treue und noch dazu ausgesprochene Nützlinge. Ausserdem haben diese Vögel im Engadin und im Val Müstair auch eine kulturelle Bedeutung. Wenn die Heimat früher nicht genug zum Überleben hergab, versuchten die Männer ihr Glück in Italien. Waren sie erfolgreich, holten sie ihre Familien nach oder gründeten Familien in der Fremde. Wer es zu Wohlstand brachte, kam in den Sommermonaten oft zurück, wie die Schwalben, die im Frühling von ihren Winterquartieren im Süden zurückkehren. Die Rückkehrer wurden «Randulins» genannt, was auf Romanisch «Schwalben» bedeutet.
Ein Projekt gegen den Rückgang von Schwalben und Seglern
Früher wie heute sind die Schwalben und Segler in unseren Dörfern eine Bereicherung. Die Bestände mancher Arten gehen aber zurück. Einige Gründe dafür sind der Nahrungsmangel durch die Abnahme von Insekten, die Versiegelung der Böden, wodurch weniger Nistmaterial zur Verfügung steht und die moderne Bauweise der Häuser mit weniger Nistmöglichkeiten am Gebäude. Mit dem Projekt «Ün cour per randulinas» setzt sich die Biosfera Val Müstair gemeinsam mit der Schweizerischen Vogelwarte gegen das stille Verschwinden dieser Vogelarten ein. In einem ersten Schritt werden diesen Sommer die Bestände der gebäudebrütenden Vögel von erfahrenen Ornithologinnen und Ornithologen erfasst.
Am 13. Juni findet eine Exkursion von Sta. Maria nach Valchava mit Ueli Nef von der Schweizerischen Vogelwarte statt. Auch die Kindergruppe der Biosfera Val Müstair, die «Biosfera Bounderfuts», wirkt tatkräftig im Projekt mit und baut Nistkästen für Mauersegler.
Selber aktiv werden
Wenn Sie ein Haus oder einen Garten besitzen können Sie ganz gezielt den Vögeln unter die Flügel greifen:
- Bieten Sie Schwalben ein Nest!
Legen Sie in ihrem Garten eine Lehmpfütze an, an der sich die Schwalben für den Nestbau mit geeignetem Material bedienen können. Diese sollte von April bis Juni nicht austrocknen. Oder bringen Sie an ihrem Gebäude Kunstnester an. Dafür können Sie kostenlos Kunstnester für Schwalben und Mauersegler beziehen und sich für die Montage der Nester und von Kotbrettern bei der Biosfera Val Müstair melden. Im Oktober ist dafür im Val Müstair der Einsatz einer Hebebühne geplant.
- Steigern Sie das Nahrungsangebot!
Das Anlegen eines Naturgartens trägt viel zur Biodiversität in unseren Dörfern bei und erhöht den Lebensraum und das Nahrungsangebot für eine Vielzahl von Tieren. Verzichten Sie beim Gärtnern auf Insektizide und gestalten Sie den Garten insektenfreundlich und blütenreich mit einheimischen Pflanzen.
- Melden Sie Schwalben und Segler an Gebäuden über die Plattform «Wilde Nachbarn» und tragen Sie damit dazu bei, die Datenlage zu verbessern.
Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass wir auch in Zukunft die Flugkünste der insektensuchenden Schwalben und das Sirren der Mauersegler geniessen zu können!