Taten statt Worte

Annelise Albertin Der Unternehmenspreis der Regiun Engiadina Bassa Val Müstair 2025 ging an die Mountain Slope AG in Sta. Maria. Grund genug für das ALLEGRA, den Gründer und Inhaber Hansruedi Ammann und seine Ehefrau Jennifer Ammann zum Gespräch einzuladen.

Hansruedi und Jennifer Ammann, herzliche Gratulation zum Unternehmenspreis der Regiun Engiadina Bassa Val Müstair 2025. Was bedeutet Ihnen und Ihrem Unternehmen diese Auszeichnung? 

Der Preis ist eine Wertschätzung für uns, unser Team, die Athletinnen und Athleten, den Sport und die damit verbundene Industrie. 

Die Jury würdigte unter anderem Innovation und Unternehmergeist. Was glauben Sie: Was hat den Ausschlag gegeben, dass gerade die Mountain Slope AG ausgezeichnet wurde? 

Wir konnten uns als kleines Unternehmen auf dem internationalen Markt mit Innovation und Beharrlichkeit in unserer Nische erfolgreich an die Marktspitze setzen. Mit den sportlichen Erfolgen unseres Mountain Slope Snowboard Hardboots durch unsere Athletinnen und Athleten im Wettkampfsport, im Speziellen bei den Olympischen Winterspielen in Livigno, wurden wir für die Bevölkerung in der Region sichtbar. 

Herr Ammann, Sie waren früher Snowboard-Weltcupfahrer. Wann entstand bei Ihnen der Wunsch, eigene Snowboardschuhe zu entwickeln und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen? 

Ich bin durch meine Ausbildungen und mein Umfeld in diese Industrie hineingewachsen. Mit der Suche nach Materialoptimierungen und der damals herrschenden Marktnachfrage nach leistungsfähigeren Hartschalenschuhen hat sich das ergeben.  

Als die Idee für Mountain Slope entstand, war wohl noch nicht absehbar, wohin die Entwicklung führen würde. Wie haben Sie beide den Aufbau des Unternehmens erlebt und welche Rolle hatte Jennifer Ammann von Anfang an? 

Der Anfang war vor allem mit sehr viel Planung, Tests und Sitzungen verbunden. Wir mussten einen Markennamen finden, eine Gesellschaft gründen und uns mit Entwicklung, Materialtechnik, Einkauf, Produktion, Marketing, Verkauf, Personal und vielem mehr vertraut machen. Weiter kamen noch die verschiedenen internationalen Marktregionen dazu. Jennifer hat dies alles von Anfang an unterstützt und mitgetragen. 

Mountain Slope ist heute vor allem für Hardboots bekannt. Worin unterscheiden sich Ihre Schuhe von anderen Modellen auf dem Markt? 

Der Mountain Slope Hardboot konnte sich in den Bereichen Material, Produktion und Performance von der Konkurrenz abheben. Dies führte zu fantastischen Erfolgen im Leistungssport. 

Seit Kurzem produzieren Sie auch eigene Snowboards. Was hat Sie dazu bewogen, das Sortiment zu erweitern? 

Um uns und das Material für den Sport weiterzuentwickeln, waren wir schon länger auf der Suche nach Partnern, mit welchen wir direkte und geschützte Entwicklung betreiben können. Leider war niemand bereit, sich auf eine derart nahe Zusammenarbeit einzulassen. In der Folge suchten wir nach Snowboardproduzenten, welche unsere Ideen produzieren. Dies verlief leider nicht sonderlich gut. Auf Grund dessen entschlossen wir uns, eine eigene Produktion aufzubauen. Mit der eigenen Snowboardmarke «Mack» konnten wir uns schon stark im Markt positionieren. 

Die MACK-Snowboards entstehen im Val Müstair, die Mountain Slope Hardboots werden in Treviso gefertigt. Welche Vorteile bietet diese Produktionsstruktur? 

Wir haben in Treviso sämtliche Zulieferer im näheren Umkreis. Dies spart sehr viele Ressourcen und Kosten. Weiter kennen wir alle unsere Zulieferer persönlich, und jeder weiss, wie der andere denkt. Dies schafft Sicherheit und hilft bei der Entwicklung neuer Ideen. 

Ihre Produkte werden nicht nur in der Schweiz verkauft, sondern auch in Ländern wie Kanada, Japan oder China. Wie gelingt es einem Unternehmen aus dem Val Müstair, sich auf internationalen Märkten zu behaupten? 

Das fragen wir uns manchmal auch. Das Wichtigste ist unserer Meinung nach, immer dranzubleiben und unsere Partner wie Shops und Importeure ernst zu nehmen. Das bedeutet, dass die Feedbacks auf die richtige Art und Weise in die Entwicklung und Produktion einfliessen müssen. Am Schluss erreicht man damit eine bessere Qualität, vereinfacht die Produktion, unterstützt den Verkäufer, steigert die Performance und die Kundenzufriedenheit. Es klingt einfach, ist aber mit viel Arbeit und Durchhaltewillen verbunden. 

Die Konkurrenz ist gross – etablierte Marken verfügen über deutlich grössere Budgets und Vertriebsnetze. Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Stärken von Mountain Slope gegenüber der Konkurrenz? 

Wir sind in einem Nischenmarkt unterwegs. Für grosse Unternehmen und Strukturen ist ein viel grösserer Markt notwendig. Zudem ist es eine sehr technische und qualitätsbewusste Kundschaft. Das gestaltet die Produktion zum Teil etwas aufwändiger. 

Jennifer Ammann, Sie sind CEO der Mountain Slope AG und verantworten unter anderem das Marketing. Wie haben Sie die Aufgaben im Unternehmen zwischen sich aufgeteilt, und wie ergänzen Sie sich? 

Das hat sich ergeben. Das Marketing (Kunden- und Athletenbetreuung) ist mit sehr viel Zeitaufwand verbunden. Die unterschiedlichen Zeitzonen (Asien, Europa, Amerika), die Jahreszeiten auf der Nord- und Südhalbkugel sowie die verschiedenen Marktsituationen verlangen einiges an Flexibilität. 

Welche Bedeutung hat das Val Müstair als Standort für Ihr Unternehmen und Ihre Firmenidentität? 

Für unseren Markt liegen wir im Val Müstair sehr zentral. Wir sind in kurzer Zeit in der Schuhproduktion. Weiter können wir fast das ganze Jahr unsere Produkte auf dem Schnee testen. Zudem haben wir hier einige topografische Vorteile in der Verarbeitung von Composite-Material für Snowboards und Ski. 

Wie hat sich der Markt für Hardboot-Snowboarding in den vergangenen Jahren verändert? Erleben Sie derzeit ein wachsendes Interesse?  

Der Markt hat sich sehr positiv entwickelt. Ein Grund dürfte die Arbeit der Industrie sowie einiger Athletinnen und Athleten in der Juniorenförderung sein. Wir haben gegen alle Empfehlungen Junioren-Hardboots entwickelt und produziert. Dies hat sich sehr positiv für uns und unsere Mitstreiter ausgewirkt. 

Hansruedi Ammann, viele dürften überrascht sein, dass Sie neben der Mountain Slope AG auch als Polizist im Val Müstair arbeiten. Wie bringen Sie diese beiden Tätigkeiten unter einen Hut? 

Ich arbeite mit einem Pensum von 80 % bei der Kantonspolizei Graubünden. In den restlichen 20 % unterstütze ich mein Team bei der Mountain Slope AG. Dies gibt mir für beide Tätigkeiten mehr Skills und eine offenere Sichtweise auf die jeweiligen Aufgaben.  

Wo sehen Sie die Mountain Slope AG in fünf bis zehn Jahren? Welche Ziele möchten Sie als Nächstes erreichen?  

Wir haben grosse Pläne, möchten aber mit Taten und nicht mit Worten auf uns aufmerksam machen. Wir werden innovativ bleiben, Projekte planen und umsetzen. Der Fokus liegt auf unseren Marken: Mountain Slope, Mack Snowboards und Ammann Ski. 

Zum Schluss: Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die aus einer sportlichen Leidenschaft oder einer eigenen Idee den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten? 

Ziele setzen, vorbereiten (trainieren), umsetzen und dranbleiben.

Jennifer (links) und Hansruedi Amman (rechts) schätzen ihr engagiertes Mitarbeiterteam und legen Wert auf ein ausgewogenes Betriebsklimna.
Jennifer (links) und Hansruedi Amman (rechts) schätzen ihr engagiertes Mitarbeiterteam und legen Wert auf ein ausgewogenes Betriebsklimna. © Mountain Slope AG
Als ehemaliger Snowboard-Weltcup-Athlet weiss Hansruedi Ammann, worauf es beim Material ankommt.
Als ehemaliger Snowboard-Weltcup-Athlet weiss Hansruedi Ammann, worauf es beim Material ankommt. © Mountain Slope AG
Zu den Personen 

Familie Jennifer und Hansruedi Ammann und ihre 3 Kinder leben seit 2012 im Val Müstair. Seit 2016 sind sie mit Mountain Slope AG im internationalen Snowboardsport tätig. 

 

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