Der Entstehung des Hotels Belvédère in Scuol ist im Jahre 2008 auch Kathrin Mischol, begnadete und passionierte Hobbyhistorikerin, auf den Grund gegangen. In der Publikation «Die gute alte Zeit – wie gut war sie wirklich», schreibt sie folgendes über die Anfänge des Belvédère: «Erbaut 1871 bis 1875 durch Mastralessa A. M. Arquint-Rosler (Witwe von Hermann Arquint) und deren Sohn Conradin, als «Neues Hotel Belvédère», Architekt unbekannt. 1901 Aktiengesellschaft Belvédère-Posta e du Parc SA. Die Erben von Hermann Arquint verkauften die Hotels Belvédère und Du Parc an Chasper Pinösch & Co. Das neue Hotel Belvédère war ein Luxusbau sondergleichen – es wurde sogar extra eine Tramverbindung ins Kurhaus eingerichtet. Im Hotelinventar wird das Haus wie folgt qualifiziert: «Plastisch durchgestalteter, kompakter und einheitlicher Bau aus einem Guss und wirkt bis heute als markantestes Zeugnis des Hotelbaus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Er ist besonders wirkungsvoll im Ortsbild.»
1950 führten Michel Lys und seine Frau Nina das Hotel. Danach folgten verschiedene Hoteldirektoren: Nicolo Gaudenz, Peter Riva, Bonjour und weitere. Doch der Niedergang konnte nicht mehr aufgehalten werden und 1998 musste der Konkurs angemeldet werden.
Kurz darauf trat die Familie Baumgartner, respektive Kurt und Julia, auf den Plan. Das Ehepaar führte zuvor das Hotel Hohenfels in Arosa und unterhielt gute Kontakte zur Graubündner Kantonalbank (GKB).
Diese bot den beiden dann das Belvédère in Scuol zum Kaufe an. Kurt und Julia erkannten das Potenzial des Hauses mit 100 Zimmern mitten im Dorf, wussten um die eben erfolgte Eröffnung des Bogn Engiadina und um die kurz bevorstehende Eröffnung des Vereina-Tunnels. Dank Bürgschaften und Darlehen aus Kurts Familie konnten sie den Kauf schliesslich mit viel Kraft stemmen. Gemeinsam mit der GKB erarbeiteten sie einen Businessplan, der je nach Liquidität und finanziellen Mitteln kontinuierliche Sanierungen und Renovationen vorsah. Dazu kamen 2004 der Erwerb des Badehotels Belvair, der Bau der gedeckten Passerelle zwischen Belvédère und dem Bogn Engiadina, ein neuer Flügel am Stammhaus, das Nam Thai, der Kauf des Hotels Guardaval, ein neues Personalhaus, komplette Renovation der bestehenden Zimmer für die Mitarbeitenden, ein Businesshotel in Münchwilen, zwei Projekte im Oberengadin oder aktuell der Neubau des Chasa Plavna.
Die Konstante waren und sind Julia und Kurt Baumgartner, deren Familie mittlerweile um vier Kinder angewachsen ist und treue Mitarbeitende, welche sich heute die operative Führung grösstenteils aufteilen. So Sandy Stöckenius, René Stoye, Nico Senn und Volker Schönherr in der Geschäftsleitung.
Nichtsdestotrotz scheint die nächste Generation bei den Baumgartners bereit zu stehen, wohl noch nicht grad morgen, auch wenn der Chef dies spasseshalber von seinem Sohn sagt, der im Hotel eine kaufmännische Lehre absolviert, aber doch hoffentlich in einiger Zeit durch Nadja, der ältesten Tochter, die ab Herbst im Verwaltungsrat mitwirken wird. Nachdem die vier auch mal weg waren und dann mit einem reichen Rucksack an Erfahrungen wieder ins schöne Engadin zurückgekehrt sind.
Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Dinner Spectacle am 31. Oktober und 14. November.
Weitere Infos unter: belvedere-hotelfamilie.ch