«Ich kann das Spital Scuol empfehlen»

Jürg Wirth Armando Roner ist Präsident der Amias ed Amis da l'Ospidal d’Engiadina Bassa. Im Interview erklärt er, weshalb er trotzdem nicht so gerne ins Spital geht oder warum die Freunde wichtig sind. Und anderes mehr. 

Sie sind oberster Freund des Spitals Scuol, gehen Sie dermassen gerne ins Spital? 

Nein, ich gehe nicht so gerne ins Spital, unterstütze es aber gerne mit den Freundinnen und Freunden als ganze Region.

 

Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen? 

Seraina Bickel aus Susch, die zuvor Präsidentin war, hat mich gefragt, ob ich Präsident werden möchte. Dies auch, weil ich im Gemeindevorstand von Zernez das Ressort Gesundheit verantworte. Nach einer kurzen Überlegungszeit habe ich zugesagt. Die Aufgabe ist interessant und ich kann etwas für die Region machen. Mein Amt beinhaltet unter anderem drei bis vier Vorstandssitzungen plus die Generalversammlung und zwischendurch treffe ich mich mit Dr. med. Joachim Koppenberg, dem Direktor des Spitals, und gemeinsam schauen wir, wo wir als Amias und Amis das Center da Sandà Engiadina Bassa (CSEB) unterstützen könnten. 

 

Wie ist Ihr Verhältnis zum Spital, wie sind ihre eigenen Erfahrungen? 

Meine Erfahrungen sind alle durchwegs positiv. Die meisten betrafen die beiden Geburten unserer Söhne Leo und Enea. Beide kamen in der Badewanne zur Welt, welche die Amias ed Amis gesponsert haben. Als Patient fehlen mir die Erfahrungen, da ich das noch nie war. 

 

Könnten Sie einen Aufenthalt empfehlen? 

Den in der Geburtsabteilung auf jeden Fall, ja. Aber auch die Aufenthalte meiner engen Familienangehörigen verliefen durchwegs positiv. Selbiges höre ich auch von anderen Leuten, die im Spital waren. Ich kann das Ospidal Scuol auf jeden Fall empfehlen. 

 

Im Gegensatz zum Spital Oberengadin hört man vom Ospidal nicht viel und es rentiert. Ist das wegen der Amias ed Amis? 

Nein, sondern wegen der professionellen Führung, also Verwaltungsrat und Direktor. Aber auch wegen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die stolz sind in einem solchen Spital zu arbeiten, und wissenwas verloren ginge, wenn es nicht mehr rentieren würde. Die Verbundenheit zum Regionalspital merkt man gut, selbst bei den Chefärzten. Sie würden wohl in Zürich mehr verdienen, haben sich aber bewusst für Scuol entschieden. 

 

Aber was genau ist die Aufgabe der Amias ed Amis? 

Gegründet wurde der Verein vor gut 20 Jahren, als es dem Spital Scuol nicht so gut ging. Ziel war es, bei der Politik Gehör zu finden, zu wissen auch, dass es nötig ist, dass die Politik das Spital mitträgt, genauso wie die lokale Bevölkerung. Die Amias ed Amis wollten allen bewusst machen, dass das Spital für die Region unabdingbar ist. Auch für die Gäste, die hier ihre Ferien verbringen, ist das sicher von Vorteil. 

 

Und das funktioniert gut? 

In den letzten Jahren war das nicht mehr so nötig, weil das Spital gut gearbeitet hat und dies immer noch tut. Trotzdem überlegen wir, ob wir mehr oder aktiver Reklame machen sollen. Wir machen uns immer Gedanken zu unserem Tun. Da das CSEB gut funktioniert, konnten wir anders unterstützen, beispielsweise mit neuen Veloständern, einem Kinderbett, Hörscreen, etc. 

 

Wieviel Geld generieren die Amias ed Amis jährlich in etwa? 

Durchschnittlich um die 5000 Franken, in erster Linie dank der Mitgliederbeiträge. Für spezielle Investitionen organisieren wir dann Extra-Sammelaktionen, das gab es immer wieder. 

 

Die Freundinnen und Freunde haben Projekte wie die Einrichtung der frauenärztlichen Praxis, Palliative Care oder den Helikopterlandeplatz unterstützt und finanzieren Personalanlässe mit. Was steht als nächstes an? 

Als nächstes sollen die Aufenthaltsräume und die Cafeteria modernisiert und renoviert werden. Dies läuft auf eine grössere Unterstützung hinaus, da die Einrichtungen in der Cafeteria wichtig für Personal und Patienten sind. Was wir unterstützen, soll Patienten und Mitarbeitenden gleichermassen dienen. 

 

Sind das eher «nice-to-have»-Sachen oder wie würden die sonst realisiert? 

Sonst müsste es das Spital bezahlen oder es würde gar nicht angeboten. Die Badewanne in der Geburtenabteilung ist eher «nice-to-have», aber sonst gäbe es die nicht. Schliesslich verzeichnet die Geburtenstation eher wenig Geburten und ist kaum rentabel, deshalb unterstützen wir dort. Das gilt eigentlich für alle Engagements der Amis und Amias, die sind immer für Dinge, die es sonst nicht gäbe.Letztes Jahr haben wir beispielsweise die Gravur des Personal-Taschenmessers und das Velo-Leuchtband für die Mitarbeitenden mitfinanziert. 

 

Ist das Ziel der Freundinnen und Freunde, sich selber abzuschaffen, weil das Spital dereinst so gut laufen wird, oder wird es die immer geben, damit sich das Spital besser ums Tagesgeschäft kümmern kann und deshalb so gut läuft? 

Nein, wir wollen uns nicht abschaffen. Solange das Spital so stark von der Bevölkerung getragen wird, sind wir im Vorstand der Meinung, dass wir den Verein beibehalten. Allerdings können wir dann eher passiv und im Hintergrund bleiben. Brechen wieder schwierigere Zeiten an, werden wir wiederum aktiver. 

 

Zur Person:
Armando Roner wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Zernez, wo er im Gemeindevorstand die Ressorts Gesundheit und Sicherheit abdeckt, zudem ist er im Verwaltungsrat des CSEB, Center da sandà Engiadina Bassa. Gegenwärtig besucht er die Landwirtschaftsausbildung am Plantahof und übernimmt in Bälde den elterlichen Hof in Zernez. 

Armando Roner ist Präsident der Amias ed Amis da l'Ospidal Engiadina Bassa und hat selbst nur gute Erfahrungen im Spital gemacht.
Armando Roner ist Präsident der Amias ed Amis da l'Ospidal Engiadina Bassa und hat selbst nur gute Erfahrungen im Spital gemacht. © Mayk Wendt

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