So langsam kann sich Chasper Cavelty auf seine Pensionierung vorbereiten.
So langsam kann sich Chasper Cavelty auf seine Pensionierung vorbereiten. © Jürg Wirth

Begeisterter Sportler, Verkäufer und Unternehmer

Jürg Wirth Die Auto Tecnic AG ist eine Institution in Ardez. Seit 45 Jahren führt Chasper Cavelty «seine» Garage, nun freut er sich, dass die Nachfolge klappt.

«Ich bin 72, äh nein, 73», korrigiert sich Chasper Cavelty. Egal, jedenfalls ist er noch jung genug zum Arbeiten, das tut er, und noch immer in seiner Garage in Ardez, die er aufgebaut hat. Dabei war Automechaniker, sein Lehrberuf, nicht mal unbedingt sein Traumberuf. «Ich musste halt was lernen, so bin ich Automechaniker geworden.» Als Autonarr würde er sich demnach nicht bezeichnen. Am liebsten wäre er eigentlich Fussballer geworden, deshalb machte er sich mit 16 Jahren und ohne wesentliche Deutschkenntnisse auf nach Schaffhausen. Dort absolvierte er die Lehre als Automechaniker und spielte beim FC Schaffhausen, allerdings nicht so häufig. «Die anderen in meinem Alter hatten schon fast zehn Jahre Fussball gespielt, ich habe nur etwas «getschüttelet». Schnell sei er zwar gewesen, aber die Technik habe ihm gefehlt und die Gegner waren gut und hiessen Grasshoppers, FC Zürich oder Lugano. 

Zum Fussball gekommen ist er durch seinen Bruder, der in Genf lebte und ihm ein Shirt von Servette FC schenkte. Während der ganzen Lehrzeit hütete er auch noch das Tor des Hockeyclubs Ardez. Weil die Hin- und Her-Reiserei für einen Lehrling unerschwinglich gewesen wäre, bezahlte ihm der Hotelier des Hotels Alvetern jeweils die Zugfahrt. Daneben rannte er noch in einer Läufergruppe und betrieb intensiv Langlauf.

Rasch Chef und Vater

Sechs Geschwister hatte Chasper, nun sind sie nur noch zu zweit. Sein Vater kam aus dem Bündner Oberland, lernte Metzger in St. Moritz und traf dort seine zukünftige Frau, eine Erni aus Sent. Gemeinsam zogen sie nach Ardez, wo der getaufte Katholik gar zum Protestantismus wechselte. 80 Schweine habe er im Sommer gehalten, dort, wo jetzt die Umfahrungsstrasse durchführt, erinnert sich Chasper. Sein Job war es, diese zu füttern, mit Küchenabfällen aus den Restaurants und Kantinen.

In Schaffhausen blieb Chasper nach Lehrabschluss im Betrieb und wurde rasch Werkstattleiter. «Ich war dann der Chef meiner Ausbildner», vermerkt er nicht ohne Stolz. Schliesslich hatte er auch bereits eine kaufmännische Weiterbildung absolviert und die Meisterprüfung bestanden.

Rasch wurde er auch Vater, bereits mit 22, seine Frau war noch jünger, nämlich 20. Sie lebte zu der Zeit ebenfalls in Schaffhausen, doch dann zogen sie gemeinsam wieder ins Engadin, nach Ardez. Der Garagenbesitzer Priuli suchte einen Nachfolger für seinen tödlich verunglückten Sohn und bearbeitete Chasper deswegen schon seit Längerem. Dieser willigte schliesslich ein und übernahm am 1. August 1980 die Garage. «Herumgeschraubt habe ich nicht so viel, aber Autos verkaufe ich sehr gerne.» Gerne und erfolgreich, tatsächlich seien «seine» BMWs eine Zeit lang die am häufigsten verkauften Autos im Unterengadin gewesen, neue und gebrauchte. Nebst BMW vertrat er Mitsubishi und verkaufte Occasionswagen verschiedenster Marken. Gegen 200 Fahrzeuge brachte er jedes Jahr unter die Leute. Daneben erweiterte und modernisierte er die Garage stetig. War mit Herzblut und Leib und Seele bei der Sache, immer gemeinsam mit seinem Team. Lebte für sein Werk.

Eine Weile pensioniert

Allerdings wurden die Zeiten schwieriger und die Auflagen der grossen Automarken immer strenger respektive teurer. Irgendwann lieferte BMW keine Neuwagen mehr an Kleingaragen wie Auto Tecnic eine war. Bei Mitsubishi sanken die Margen, sodass sich kaum mehr Geld verdienen liess. Der Auftrag als Servicestelle für BMW umfasste den Kauf teurer Werkzeuge, welche die Reparaturen nicht deckten. Chasper und sein Team mussten sich nach der Decke strecken, schafften es aber immer über die Runden. 

Ja, und eine Weile war er gar richtig pensioniert. Hing mit seinem Enkel an Kletterwänden in Hallen, begleitete ihn zum OL-Training, auf die Skipiste, die Loipe oder in die Ferien. Chasper beginnt zu strahlen, wenn er von dieser Zeit erzählt. Wenn er den jetzt neunjährigen Enkel besuche ist er glücklich, denn dieser falle ihm immer noch um den Hals. 

Glücklich ist er auch in seiner Garage, die er mittlerweile seit 45 Jahren führt. Doch so langsam denkt selbst er ans Weitergeben. In seiner Werkstatt arbeitet mit Erwin Küttel der potenzielle Nachfolger, mit dem sich Cavelty sehr zufrieden zeigt. Nächstes Jahr soll er deshalb die Garage pachten. Dannn geht Cavelty richtig und endgültig in Pension, obwohl er erst 73 ist.

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