Der Brand des Hotel Waldhaus in Vulpera war das Ereignis.
Der Brand des Hotel Waldhaus in Vulpera war das Ereignis. © Turaco

Herbstfeuer oder warum das Waldhaus niederbrannte

Jürg Wirth Roman Vital ist Dokumentarfilmer und hat mit «Herbstfeuer» einen Film über den Brand vom Hotel Waldhaus in Vulpera gedreht. Respektive weniger über den Brand, sondern über alles, was danach noch kam und wie die Protagonisten mit dieser Katastrophe umgegangen sind oder immer noch gehen.

Es war ein Ereignis oder eine Riesentragödie, je nach Sichtweise: Der Brand vom Hotel Waldhaus in Vulpera am 7. Mai 1989. Dass es Brandstiftung war, schien relativ rasch klar, weniger klar war, wer es war. Die Spekulationen schossen ins Kraut, und Rolf Zollinger, damaliger Hoteldirektor, wurde gemeinsam mit Renato Testa öffentlich verdächtigt. Auch weil die Versicherung schnell und unkompliziert die Schadenssumme an die Betreibergesellschaft überwiesen hatte. Beide beteuerten jedoch seit jeher ihre Unschuld, Zollinger selber deutete immer wieder an zu wissen, wer das Feuer gelegt haben könnte. 

Genügend Stoff also für einen Krimi oder wenigstens einen Dokumentarfilm, sagte sich Roman Vital, Filmemacher aus Arosa mit Engadiner Wurzeln. Dass er sich für diesen Stoff interessiert, ist nicht zufällig, sondern hat familiäre Hintergründe. «Rolf Zollinger war ein guter Freund meines Vaters, zusammen haben sie die Lehre im Suvretta-House in St. Moritz gemacht und so wurde Zollinger zu meinem Götti», erklärt Vital. Allerdings habe er ihn nie viel gesehen, sondern einfach zu Weihnachten Geschenke bekommen. Einmal sei er im Hotel gewesen und erst 14 Jahre alt gewesen, als es abbrannte. Rund 16 Jahre später besuchte er wieder einmal seinen Götti und stellte fest, dass dieser eigentlich immer noch Direktor des zerstörten Grandhotels war und die Geschichte nicht loslassen konnte und wollte und sich seine eigene zurechtgelegt hatte. Vital stach der Hafer, und er begann, zu recherchieren. Gut dabei war, dass sich auch Peter Lang, ehemaliger Kommissar der Kantonspolizei Graubünden, einschaltete. Schon vor vielen Jahren versprach er Zollinger, den Fall nach seiner Pensionierung nochmals unter die Lupe zu nehmen. Also beleuchte der Film auch pensionierte Männer und wie sie mit dem Ruhestand umgingen, bemerkte Vital, und der Film zeige auch, wie man mit schweren Schicksalsschlägen umgeht. 

Rolf Zollinger, ehemaliger Hoteldirektor des Waldhaus, und Peter Lang, früher Kommissar bei der Kantonspolizei Graubünden, sind die beiden wichtigsten Protagonisten des Films.
Rolf Zollinger, ehemaliger Hoteldirektor des Waldhaus, und Peter Lang, früher Kommissar bei der Kantonspolizei Graubünden, sind die beiden wichtigsten Protagonisten des Films. © Turaco

Nur Begleitung

Wichtig war Vital, dass er die beiden bei ihrer «Arbeit» begleitete, ohne zu werten oder sich zu stark einzubringen. Er beobachtete sie, als sie in neue Akten schauen durften, hörte ihnen zu, wie sie werweissten und die Nacht und alles, was nachher kam, nochmals rekapitulierten, und er bemerkte, wie sie über all das zu neuen Erkenntnissen gelangten. Dafür gab er sich und den anderen viel Zeit, gut fünf Jahre seien sie immer wieder unterwegs gewesen. In der Zeit hätten sie eine starke Vertrauensbasis aufbauen können, was wichtig für den Film gewesen sei, bilanziert Vital.

Die Ausgangslage sei zwar eine «True-Crime-Geschichte» gewesen, entstanden sei aber eher ein Portrait oder Melodrama eines Hoteldirektors, begleitet vom ehemaligen Polizisten, auf der Suche nach der Wahrheit. Man habe viele neue Erkenntnisse gewonnen, sagt Vital. Ob der Fall nun aber geklärt ist, lässt er offen und verweist auf den Film. Zu sehen ist dieser zum ersten Mal am 31. Januar 2026 im Vestibühl vom Hotel Scuol Palace, und am 7. Januar im Cinema Staziun in Lavin, jeweils in Anwesenheit des Regisseurs und der beiden Protagonisten Zollinger und Lang.

Weitere Termine mit der gleichen Besetzung in der Region sind: 

31.01.2026 Scuol, Vestibül Hotel Scuol Palace
07.02.2026 Lavin, Cinema Staziun
07.02.2026 Pontresina, Cinema Rex
12.02.2026 Sent, Gemeindesaal

und andere Orte.

Infos unter: herbstfeuer.ch

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