Seit 40 Jahren arbeitet Oskar Wachter am Lift Blais Gronda in Samnaun.
Seit 40 Jahren arbeitet Oskar Wachter am Lift Blais Gronda in Samnaun. © zvg

Oskar und sein Skilift

Jürg Wirth Seit 40 Jahren läuft der Skilift Blais Gronda im Skigebiet Samnaun. Ebenso lange steht Oskar Wachter schon dort, kümmert sich um den Betrieb und um die Pistensportler*innen.

Sie sind beide Unikate – Oskar Wachter und der Skilift Blais Gronda in Samnaun, einzig, dass Wachter noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat als der Schlepplift. 1980 nahm der 775 Meter lange Bügellift, der östlich vom Alptrider Sattel endet, seinen Betrieb auf. Drei Jahre später trat ein damals 16-jähriger Jüngling seine Arbeit als Liftmitarbeiter eben dort an – Sie ahnen es, der junge Mann hiess Oskar Wachter und arbeitet noch immer am selben Ort. Seit Beginn von Wachters Ära ist mittlerweile bereits der dritte Betriebsleiter der Bergbahnen Samnaun am Ruder. Kleines Detail hierzu am Rande: Patrick Westreicher, der jetzige Chef, ist der Sohn des ersten Leiters, Othmar Westreicher, zwischendurch amtete noch Richard Noggler aus Nauders. Die Bergbahnen Samnaun sind also halbwegs auch ein Familienunternehmen. 

Familienmensch im Familienunternehmen

Auch das ist ein Grund, weshalb Wachter dem Unternehmen bereits seit 40 Jahren die Treue hält. Ihm gefällt das Klima, die Arbeit des Betriebsleiters und «dass wir bekommen, was wir brauchen.»

Deshalb ist Oskar Wachter einer der langjährigen Mitarbeitenden der Bergbahnen Samnaun.

Gut möglich aber auch, dass der urige Tiroler – Wachter lebt in Greit oberhalb von Pfunds – schon so lange bei den Bergbahnen arbeitet, weil er saisonal unterwegs ist und ausserhalb der Wintersaison noch eine andere Beschäftigung hat. Zum einen ist er ausgefüllter Familienmensch. Er hat zusammen mit seiner Frau zwei Töchter und einen Sohn, und bis jetzt fünf Enkelkinder. Zum anderen betreibt er einen Bergbauernhof mit 15 Hektaren Land oberhalb Pfunds. Denn während die Töchter schon lange ausgezogen sind, lebt der Sohn, der auch Strassenbauer ist, mit Frau und zwei Kindern ebenfalls auf dem Hof. Oskars Mutter vervollständigt die Vier-Generationen-Gemeinschaft. Auf dem Hof halten die Wachters 4 Kühe des Tiroler Grauviehs mit Hörnern, 10 Stück Jungvieh und Kälber aus eigener Nachzucht, weiter 15 Bergschafe und Hühner. Teilweise werden auch Kälber zugekauft. Die restliche Milch wird von Frau Wachter zu Butter verarbeitet, die sie teilweise verkauft. Die Arbeit in der Landwirtschaft gefällt ihm sehr, aber auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie. Den Stall würden sie fast immer zu dritt machen, erzählt er – vor allem auch im Winter. 

Denn Wachter arbeitet im Winter nicht nur am Skilift, sondern vorher und nachher immer auch noch im Stall, was ihm lange Tage beschert. Tagwache ist um 4.30 Uhr, dann bauert er mit Frau und Sohn, fährt um 7 Uhr los, arbeitet am Lift, steht um 18 Uhr wieder im Stall.

Immer etwas zu tun

Trotzdem kenne er kaum Müdigkeit tagsüber, ausser wenn er im beheizten Beobachtungstürmchen des Liftes an der Wärme sitze, da habe er manchmal zu kämpfen. Doch sitzen tut er sowieso selten, sondern steht und arbeitet meistens draussen. Da gebe es immer was zu tun, berichtet er. Fallen Leute aus dem Lift, muss er die Spur wieder richten und mit der Schaufel präparieren. Ab und an hilft er auch beim Anbügeln, wenn sich die Leute unsicher fühlen, obwohl der Lift seit vielen Jahren Bügel zum selber Anbügeln mitführt. Früher hat er noch jeden Bügel von Hand gegeben – seine Frau aber habe er trotzdem zu Hause kennengelernt. Aber selbstverständlich kenne er mittlerweile viele Leute, die ebenfalls bereits seit Jahren nach Samnaun zum Skifahren kommen. Tendenziell würden es zwar immer weniger, die sich noch vom Schlepplift hochziehen liessen, habe er festgestellt. Bei starkem Wind aber schlagen Wachters und des Lifts Stunde, denn da stehen die Sessellifte still, während der Lift treu seine Runden dreht. Dass er dies so zuverlässig tut, liegt auch wieder an seinem langjährigen Betreuer Oskar Wachter. «Ich kenne jede Schraube dieses Liftes», sagt er, weil er jede einzelne schon x-mal kontrolliert und bei Bedarf angezogen habe. Auch die Gehänge der Bügel muss er überprüfen, die Stützen kontrollieren oder immer mal wieder Leute befreien, die vom Bügel mitgezogen wurden. Einmal habe es einen Passagier am Bügel etwa drei Meter in die Höhe gehoben, weil beim Gehänge etwas verklemmt war. Wie auf einem Sessellift sei er da oben gesessen, erinnert er sich. Um ihn runterzuholen, musste Wachter ein Gerüst aufstellen, über welches der Gast dann absteigen konnte. Ansonsten aber erinnert sich Wachter an keine grösseren Zwischenfälle. Dafür erinnert er sich an all die schönen Arbeiten, die ihm so gefallen. Vom Schneeschaufeln über die handwerklichen Arbeiten bis zum Präparieren der Skiliftspur. Dazu lässt sich Wachter selber mit dem Lift hochziehen, trägt dabei seine alten, langen Alpinski und legt die Spur wie mit dem Massband gezogen.

Und wenn ihm dabei nichts dazwischenkommt, wird er das auch noch die nächsten zehn Jahre so weitermachen. Gemeinsam mit dem Lift habe er begonnen und gemeinsam mit dem Lift werde er auch aufhören, sagt Wachter. 

Video zum Lift Blais Gronda: youtube.com/watch?v=3PoIJJnuBnQ

Immer mal wieder muss Wachter auch hoch hinaus, um «seinen» Skilift zu warten.
Immer mal wieder muss Wachter auch hoch hinaus, um «seinen» Skilift zu warten. © zvg

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