Silke Hauser mit ihrer Hühnerschar – Lenni inklusive...
Silke Hauser mit ihrer Hühnerschar – Lenni inklusive... © zvg

Farbenfroh durchs Leben

Annelise Albertin Bunte Crocs, ein Einhorn an der Küchendecke und ein Huhn im Haus: Silke Hauser ist eine Frau, die Farbe in den Alltag bringt. Als Kindergartenlehrperson im Val Müstair begegnet sie Kindern und dem Leben mit Offenheit, Fantasie und Wärme.

Die Decke in der Küche von Silke Hauser ziert ein lebensgrosses Einhorn. Drückt man den Lichtschalter, erstrahlt es in bunten Farben und taucht den Raum in ein warmes Rosa-Violett – wie ein Abendrot und ganz wie die Hausherrin selbst: farbenfroh und nicht alltäglich.

Silke Hauser ist die Kindergärtnerin im Val Müstair. Die Kindergartenkinder lieben sie gerade wegen ihres unbekümmerten Wesens innig. Eines ihrer Markenzeichen sind Crocs – jedoch nie die gleiche Farbe an beiden Füssen: blau und rot, grün und gelb, violett und orange, immer bunt gemischt. «Das Leben muss farbenfroh und abwechslungsreich gestaltet werden», lautet ihr Credo.

Der Verlust

Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin arbeitete Silke Hauser mehrere Jahre auswärts in verschiedenen Berufen, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte. Sie war alleinerziehende Mutter ihres Sohnes Maxi und konnte dabei auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Zehn Jahre lang arbeitete sie als Altenpflegerin im Center da sandà Val Müstair, ehe sie die Stelle im Kindergarten des Tales übernahm.

Das Leben stellte Silke auf eine harte Probe, als Maxi mit nur 17 Jahren starb. Dieses tief einschneidende Ereignis brachte sie beinahe aus der Bahn. Dank professioneller Hilfe und dank ihres lebensfrohen Wesens kämpfte sie sich mutig zurück. «Der Verlust und der Schmerz im Herzen werden für immer bleiben», sagt Silke leise.

Lenni – das Haushuhn

Viele Menschen haben einen Hund oder eine Katze als Haustier – Silke Hauser hat ein Huhn. Es heisst Lenni und lebt in ihrem Haus. Im Kindergarten zieht Silke mit den Kindern jeweils vor Ostern Küken gross. Sie werden im Brutkasten ausgebrütet, und die Kinder betreuen sie, bis sie wieder zum Bauern zurückkehren. «Es ist ein wunderbares Projekt, bei dem die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen», ist Silke überzeugt.

Doch nicht alle Küken überleben. «Letztes Jahr hat nur eines überlebt. Ich habe es während der Ferien zu mir nach Hause genommen – und da ist es geblieben.» Lenni wollte nicht mehr ins gewöhnliche Hühnerleben zurückkehren. Ihre Eier legt sie am liebsten in Maxis Erinnerungsecke – sehr zur Freude der Hausherrin.

Silke möchte Lenni wieder resozialisieren und hat dafür einen Hühnerstall mit Auslauf gebaut sowie weitere Hühner und einen Hahn angeschafft. Doch Lenni zeigt sich beleidigt. Silke gibt trotzdem nicht auf – so, wie sie im Leben nie aufgegeben hat.

 

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