Die Begründer des Familienunternehmens Valentin in Sent: Chasper J. und Chasper C. Valentin.
Die Begründer des Familienunternehmens Valentin in Sent: Chasper J. und Chasper C. Valentin. © zvg

Eine Unternehmensgeschichte geht zu Ende

Jürg Wirth Ende März ist endgültig Schluss mit der Garage Valentin+Krebs in Sent. Entstanden aus einer Dorfschmiede, endet damit eine lange Unternehmensgeschichte.

Angefangen hat's mit einer Dorfschmiede und aufgehört 148 Jahre später als Autogarage. Ueli Krebs sitzt in der Küche seines Hauses am Dorfplatz in Sent und rekapituliert die Geschichte des Unternehmens Valentin, aus dem später die Garage Valentin+Krebs entstanden ist.

Der Firmengründer war Chasper J. Valentin, er eröffnete  im Jahre 1878 in Sent die Favcha Valentin. Zu dieser Zeit reparierte er Wagenräder oder Pflugscharen, beschlug Kühe und Ochsen, später Pferde. Chasper C. Valentin folgte auf Chasper J. und schmiedete zusätzlich auch noch kunstvolle Geländer oder Fenstergitter. Auf den Chasper J. folgte dann ein Chasper Cla und darauf wieder ein Chasper J. und schliesslich wieder ein … – genau.

Fast 100 Jahre lief der Betrieb am Ursprungsort, erst 1964 zügelte die Firma Valentin ins Haus am Dorfplatz, Plaz 44, in welchem Ueli Krebs jetzt am Küchentisch Auskunft gibt. Damals hatte das Unternehmen bereits etwas diversifiziert und begann Landmaschinen zu verkaufen. Ab den 50er-Jahren vertraten sie die Firma Grunder, und später kam auch noch Aebi dazu. Selbstverständlich verkauften sie nicht nur, sondern reparierten auch, zuverlässig und seriös. Das Geschäft lief gut, schliesslich gab es zu der Zeit noch rund 50 Bauern in Sent.

Allein, Ueli Krebs hatte zu der Zeit noch keine Ahnung davon, dass er einst die Geschicke von Valentin prägen würde. Wie denn auch? Schliesslich kam er 1950 in Walkringen im Emmental auf die Welt, besuchte dort die Schule und absolvierte eine Lehre als Maschinenmechaniker. Im Ausgang im Emmental lernte er dann einen Engadiner mit Namen Cla kennen, den Cla Valentin aus Sent, der bei Aebi Burgdorf die Lehre machte. Die beiden freundeten sich an, und Cla lud Ueli nach Sent in die Skiferien ein. Dabei gefiel es dem Walkringer so gut in den Bergen, dass er einige Jahre später nochmals kam und dabei Linetta kennenlernte, die ihm fast noch besser gefiel als die Berge. Am allerbesten aber war, dass sie, die gelernte Goldschmiedin in Thun eine Stelle antrat und sich die beiden so etwas öfter sehen konnten. 

Aus einem Jahr wurden viele

Schliesslich entschloss sich Ueli im Jahre 1978, einen Sommer lang in der Garage Valentin auszuhelfen. Aus dem einen Jahr wurden ganz viele und im selben Jahr läuteten auch noch die Hochzeitsglocken für Linetta und Ueli. 1983 schliesslich übernehmen Cla Valentin und Ueli Krebs gemeinsam die Garage, Ueli war spezialisiert auf Autos und Cla auf Landmaschinen, die Garage Valentin+Krebs war geboren. Gemeinsam reparierten sie unzählige Maschinen und Autos, verkauften auch Mazdas und bildeten gut 20 Lehrlinge aus. Krebs deckte den Pannendienst von Giarsun bis Vinadi ab, eine Arbeit, die ihm sehr viel Freude bereitete. Jede Panne sei anders gewesen und oft habe er für die Leute mit dem defekten Auto mitten in der Nacht auch noch Unterkünfte organisieren müssen, erinnert er sich. Dank exzellenter Kontakte sei dies immer gelungen.

Bis Cla 2012 so starke Rückenprobleme hatte, dass er nicht mehr weiterarbeiten konnte. Also führte Ueli den Betrieb alleine weiter, erst noch mit den Landmaschinen, dann trennte er sich von dieser Sparte. Leise hegte er die Hoffnung, dass vielleicht dereinst einer der beiden Söhne einsteigen würde. Dies zerschlug sich jedoch. Wohl lernten beide Mechaniker, doch der eine leitet heute eine Werkstatt in Chur und der andere ist Kundenberater bei der Bank. Eigentlich hätte Ueli im Jahre 2015 von Amtes wegen das Ende seiner Arbeitskarriere erreicht gehabt. Doch weil sich der geplante Umbau des Hauses arg verzögerte und er eben gerne arbeitete, machte er einfach weiter. Bis heute. Denn jetzt klappt es endlich mit dem Umbau des Hauses und Ueli Krebs findet: «Jetzt isch Ziit». Die ist ganz genau am 31. März, da schliesst die einstige Dorfschmiede aus der eine Landmaschinen- und Autowerkstatt entstanden ist, für immer ihre Tore. Also zumindest fast: Denn weiterhin produziert Ueli seine Spezialität weiter – die «stamps da plain in pigna», seine Plain-in-Pigna-Bleche.

Trotzdem blickt Krebs diesem Datum mit gemischten Gefühlen entgegen, freut sich aber doch auf den Abschnitt danach und dankt der treuen Kundschaft von ganzem Herzen.

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