Auch in unserer Region wird noch Bier gebraut.
Auch in unserer Region wird noch Bier gebraut. © Mayk Wendt

Bier in und aus dem Unterengadin

Jürg Wirth Bier war und ist ein treuer Begleiter durch die Kulturgeschichte, auch im Unterengadin.

Längst ist das Oktoberfest keine exklusiv Münchner Angelegenheit mehr, sondern hat sich von Bayern aus unaufhörlich ausgebreitet. Auch in unserer Region ist es mannigfach angekommen, wobei dies durchaus Sinn macht, da hier ja tatsächlich noch Bier gebraut wird. 

Die Pionierrolle in dieser Beziehung nimmt die Bieraria Tschlin ein. Im Jahre 2004 als Idee eines Zukunftsworkshops der Gemeinde Tschlin gegründet, startete die Brauerei die Produktion noch Ende des gleichen Jahres. Die Restaurants und Lebensmittelgeschäfte im Tal waren äusserst offen für das neue Bier am Markt, und in den Jahren 2005 bis 2008 lieferte die Brauerei 650 bis 680 Hektoliter Bier aus. Schon bald stiess die damalige Brauerei aber an ihre Kapazitätsgrenzen. Erst im Jahr 2014 konnte dann der Bierausstoss massiv gesteigert werden, dies nachdem im Jahr zuvor Reto Rauch als Geschäftsführer angefangen hatte. Trotz gesteigertem Bierausstoss blieben die Kapazitäts- und Platzprobleme, weshalb der Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft 2015 beschloss, die Produktion nach Martina zu verlegen, und zwar in eine Halle, welche die Gemeinde von den Engadiner Kraftwerken abkaufen und dann der Brauerei vermieten konnte. Mittlerweile produziert die Brauerei rund 2500 Hektoliter pro Jahr, alles in Bioqualität und mit 100 Prozent Schweizer Zutaten. Der Renner ist dabei gleichzeitig der Klassiker, nämlich das Tschlin cler, welches laut Geschäftsführer Reto Rauch mit Abstand am meisten verkauft wird. Danach folgen Tschlin ambra, EdelWeiss und Weizen. Wie Rauch sagt, laufen gegenwärtig Abklärungen, ob es möglich wäre, auch ein alkoholfreies Bier zu produzieren. Ob und wann dieses auf den Markt komme, sei aber noch völlig offen, sagt Rauch. Bereits gesetzt ist aber der nächste grössere Event, an dem es auch das Tschliner Bier zu trinken gibt. Nein, es ist kein Oktoberfest, sondern das 6. Bergbierfestival, welches am 21. Oktober in Tschlin / Ramosch stattfindet. Dafür, dass die Party steigt, wird die Band «Die Draufgänger» sorgen.

Zu trinken gibt es Bier aus verschiedenen Bergbrauereien, so beispielsweise auch die Hausbiere vom Gastro-Betrieb «Mundart» in Scuol, das Helle «Cler» und das Schwarze «Dreggsch».

 

Am Bergbierfestival wird von Tschlin nach Ramosch gewandert und Bier degustiert.
Am Bergbierfestival wird von Tschlin nach Ramosch gewandert und Bier degustiert. © Mayk Wendt

Hell und etwas dunkler macht auch die Alpenbrauerei GIRUN ihre Biere. Situiert ist der Betrieb in Tschlin, im ehemaligen Heustall im Privathaus neben der Kirche. «Girun» heisst der Betrieb deshalb, weil der Brauer Geyer heisst, was wiederum Girun auf Romanisch ist. Zusammen mit seiner Frau Susanne hat Florian die Brauerei im Jahr 2017 eröffnet. Die Alpenbrauerei GIRUN ist eine Spezialitäten-Braucherie. Jeder Sud fasst 300 Liter. Das Sortiment umfasst drei verschiedene Biere: ein Weizen, ein helles und das Indian Pale Ale. Abgerundet wird das Angebot von den Leckereien und Köstlichkeiten, welche Susanne Geyer mit Zutaten herstellt, die rund ums Haus wachsen. Ein Oktoberfest veranstalten die Geyers nicht und am Bergbierfestival sind sie auch nicht vertreten, doch sie respektive die Brauerei ist für Besuche, Feste und Führungen offen, und zwar jeweils von Dienstag bis Freitag.

Die Alpenbrauerei GIRUN in Tschlin befindet sich im umgebauten Heustall mit herrlicher Panorama-Aussicht.
Die Alpenbrauerei GIRUN in Tschlin befindet sich im umgebauten Heustall mit herrlicher Panorama-Aussicht. © Andrea Badrutt, Chur

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