Nach der Saison ist vor der Saison. Diese Plattitüde aus der Welt des Fussballs gilt momentan auch für die Bergbahnen Samnaun. Erst am 3. Mai schlossen die Bergbahnen ihren Winter ab und verzeichneten dabei erfreuliche 278’875 Eintritte, doch nun geht die Arbeit bereits weiter. Zeit für Ferien bleibt für den Direktor Viktor Prinz und sein Team im Moment keine. Denn in Samnaun stehen verschiedene Bau- und Erneuerungsprojekte an.
Zum einen ist dies die komplette Erneuerung der Twinliner-Bahn, also der Doppelstock-Gondel, welche vom Tal ins Skigebiet führt. 1995 gebaut und damals eine Sensation, weil ein neues System und Konzept, ist die Anlage mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und eine Sanierung drängte sich auf. Beim genaueren Hinschauen und Rechnen kamen die Verantwortlichen der Bergbahnen dann zum Schluss, dass es mit einer leichten Sanierung kaum getan sei, sondern wenn schon, denn schon grad eine Erneuerung der Kabinen angezeigt sei. Gesagt, getan. Die Bergbahnen beauftragten die Garaventa in Küssnacht am Rigi gemeinsam mit der CWA in Olten, neue Kabinen herzustellen. Interessant ist, dass die neuen Kabinen weniger Kapazität als die alten haben. 170 gegenüber 180 lauten da die Zahlen. Grund dafür ist das höhere Gewicht der neuen Teile. Allerdings erklärt Prinz, dass bereits bislang nie mit maximaler Kapazität gefahren worden sei, weil zu unbequem für die Passagiere und zu zeitraubend auch, bis die Kabinen gefüllt seien. Sie hätten die Grenze bei 160 Personen gesetzt, seien dafür häufiger gefahren und hätten dadurch mehr Passagiere befördert, als wenn sie immer bis 180 gefüllt hätten.
Kabinen aus Olten
Die neuen Kabinen sind momentan in Arbeit in Olten. Ende Mai war der Stand so, dass die Rohkarosserie lackiert wurde. Mitte August soll dann die Abnahme der Gondeln erfolgen und darauf dann ein spektakulärer Part: Der Transport. Dazu werden die zwei Kabinen in vier Teile zerlegt, je zwei Oberteile und zwei Unterteile. Ein Spezialtransport soll die wertvolle und etwas sperrige Fracht dann Ende August von Olten nach Samnaun bringen. Ein durchaus heikles Unterfangen, für welches extra eine spezielle Spedition eingesetzt wird. Die zerlegten Gondeln sind nicht nur gross, 3,7 Meter breit und 6,9 Meter lang und je rund 3,4 Meter hoch, sondern auch ziemlich schwer. 2,9 Tonnen wiegt das Oberteil und gar auf 3,1 Tonnen kommt der untere Teil. Mitarbeiter der CWA bauen die vier Teile im August und September dann gemeinsam mit dem Team der Bergbahnen zusammen und hängen sie an die Seile. Bis dahin drehen die Leute der Bergbahnen aber nicht Däumchen, sondern bereiten Tal- und Bergstation auf die neuen Gondeln vor. Dabei erneuern sie den Einstiegsbereich komplett, auch weil dort eine weitere Neuerung ansteht, nämlich die Umrüstung auf den unbegleiteten Betrieb. Da wird Personenschutz grossgeschrieben und deshalb ist die Installation von neuen Abschrankungen und Schiebetüren unabdingbar. Sieben Leute arbeiten daran und erbringen Eigenleistungen. Die gesamten Umbaukosten betragen schlussendlich rund 5 Millionen Franken. Auch die heutige Seilbahnsteuerung wird komplett ersetzt, weil sie in die Jahre gekommen ist. Selbstredend, dass sämtliche Arbeiten bis zur kommenden Wintersaison abgeschlossen und die neuen Kabinen bereit sein müssen. Viktor Prinz lässt keine Zweifel aufkommen, dass dieses Ziel nicht erreicht werden könnte.
Neuer Zubringer ab Laret
Ein Jahr länger Zeit gibt es für das zweite grosse Bauvorhaben der Bergbahnen Samnaun. Dieses betrifft die neue Verbindung ins Skigebiet ab Samnaun-Laret. Dazu erstellen die Bergbahnen eine 10er-Gondelbahn mit 20 Masten mit Tal-, Mittel- und Bergstation und einer Länge von gut 3 Kilometern. Am 30. März dieses Jahres sei die Bewilligung endlich eingetroffen, sagt Prinz. Weil das Verfahren derart lange gedauert habe, seien sie davon etwas überrascht worden. Doch nun laufen die Arbeiten an und als erstes steht die Baustelleneinrichtung auf dem Programm.
Ein weiteres Projekt, das die Bergbahnen ebenfalls gerne in Angriff genommen hätten, steht hingegen noch in der Warteschleife: die Sesselbahnen im Ravaischer-Salaas samt Zubringerbahn ab Samnaun. Der Bund fordert hier die Bergbahnen auf, in der Umweltverträgtlichkeitsprüfung-Voruntersuchung aufzuzeigen, «dass die Projekte bezüglich tangierter Lebensräume und wertvollen Landschaften gesetzeskonform möglich sind.» Da seien sie, respektive ein Umweltbüro, momentan an der Arbeit, erklärt Prinz, der sich nicht sonderlich über diese an die Genehmigung der Richtplananpassung geknüpfte Bedingung freut.
Freuen tut er sich dann aber sicher zu Beginn der nächsten Wintersaison, wenn die neuen Twinliner-Gondeln bergwärts schweben und freuen werden sich auch die Gäste, wenn sie mit den neuen Gondeln mitschweben.