Seine grössten Stärken sieht Casanova in seiner Physis und seiner Risikobereitschaft. Er liebt es, wenn die Piste richtig knackig ist und er seine Power voll ausspielen kann – besonders auf steilen, anspruchsvollen Hängen, bei denen man sich überwinden und wirklich alles geben muss. Genau solche Bedingungen motivieren ihn am meisten.
Neben dem Spitzensport absolviert Casanova ein Wirtschaftsstudium im Fernunterricht. Priorisierung sei dabei das Stichwort, sagt er, denn Multitasking gehöre nicht zu seinen Stärken. Im Winter komme das Studium klar zu kurz, dafür werde er kurz vor den Sommerprüfungen zum «absoluten Streber». Musterschüler sei er zwar keiner, «aber bisher hat es immer irgendwie funktioniert».
Einen besonderen Moment erlebte Casanova beim Weltcupsieg im Team mit Ladina Jenny. Vom beinahe Ausscheiden in der ersten Runde bis zur Disqualifikation der Gegner im grossen Finale war alles dabei, «genau das macht für mich den Team-Event aus», sagt er. Im Einzel fehlt ihm der Sprung aufs Podium noch, doch das ist eines seiner grossen Saisonziele. Vielleicht klappt es ja in Scuol – dank der Unterstützung des einheimischen Publikums.
Scuol bedeutet ihm viel. Für ihn ist es nicht nur «fast ein Heimrennen», sondern eines seiner absoluten Saisonhighlights auf heimischem Boden. «Weltklasse-Snowboardaction in einer atemberaubenden Bergkulisse – das macht Scuol für mich aus.»
Technisch hat sich der Sport stark entwickelt. In den letzten Jahren seien viele neue, sehr kompetitive Hersteller auf den Markt gekommen, was die Entwicklung stark vorangetrieben habe. Es werde mit neuen Materialien, Längen, Radien und Aufbauarten experimentiert, das habe das Level insgesamt massiv angehoben. Besonders spannend findet Casanova, dass es im Snowboarden kaum Reglementierungen gibt, was den Herstellern viel Freiraum für Innovationen lasse.
Sport war in der Familie Casanova schon immer wichtig. Seine Schwester Lara brachte ihn erst zum Snowboarden. «Sie hat mir den Weg in den Profisport gezeigt», sagt Gian. Die gemeinsame Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 bezeichnet er als absolutes Highlight. Und wenn einmal kein Schnee liegt, wird in der Familie auf dem Tennisplatz oder beim Minigolf um Punkte gekämpft.
Sein grösster Traum ist klar: der Olympiasieg. Für diese Realisation arbeitet Gian Tag für Tag.