Linolschnitzen ist auch Work in Progress.
Linolschnitzen ist auch Work in Progress. © Anna Neurohr

Schnitzen und Drucken in der Stamparia

Jürg Wirth Die Stamparia Strada wartet mit einem attraktiven und vielfältigen Sommerprogramm auf. Mit Linolschnitten, offener Druckwerkstatt oder einem Buchdruck für Kinder.

Das letzte Mal Linol geschnitzt und anschliessend gedruckt habe ich vor etwa 44 Jahren in der Bezirksschule Wettingen unter Anleitung des unkonventionellen Zeichnungslehrers Christoph Frey. Ich weiss noch, dass ich mal die Farbe verwechselt habe und aus Versehen eine schnell trocknende verwenden wollte. Frey tat sein Missfallen darüber in unmissverständlichen Worten kund. Unterdessen hat mir meine Frau auch mal ein ganzes Set geschenkt, das aber noch unbenutzt im Regal schlummert.

Da stiess ich im Katalog der Stamparia Strada auf einen Linoldruck-Workshop mit dem Titel «Die erhabene Welt» unter der Leitung der Künstlerin und Grafikerin Anna Neurohr. Kurz entschlossen meldete ich mich gemeinsam mit meiner Tochter an und so fuhren wir im Juni nach Strada. Das Museum mit der momentan zu sehenden und sehenswerten Ausstellung «L’otra via» über Selina Chönz und ganz allgemein der interessanten Druckgeschichte des Tales liessen wir ausnahmsweise links liegen und begaben uns gemeinsam mit Anna ins Untergeschoss des Hauses. Dort, wo all die Druckmaschinen, Setzkästen und Bleibuchstaben ihr zu Hause gefunden haben.

Linolschnitzen beginnt mit einer Papierskizze, des Sujets, das man später drucken möchte, Artischocke und Lilie sind unsere Favoriten. Diese übertragen wir auf die Linolplatte und schnitzen sie mit Stechbeiteln aus. Linoldrucken ist work in progress, heisst, man kann von verschiedenen Schnitzstadien Drucke abziehen, auch in verschiedenen Farben oder übereinander gedruckt. Vor jedem Druck dann die angenehme Anspannung, wie das Resultat wohl ausfallen wird. Die Resultate fielen immer überraschend aus, erfreulich sogar und durchaus zu unserer vollsten Zufriedenheit. Wir versinken in die Arbeit; ins Drucken und die Geräusche, welche Maschine und Farbaufträge erzeugen und tauchen erst gegen Abend wieder daraus auf, sind glücklich und leicht erschöpft.

 

Dichtes Programm

Das war ein Tag im Juni, aber das Gute am Ganzen ist, dass es von diesen oder ähnlichen Tagen noch ganz viele gibt in der Stamparia. Denn Anna Neurohr und ihre Kollegin Christina Wildgrube haben ein eindrückliches Programm zusammengestellt, das bis Mitte November dauert – das Museum ist bis Ende Oktober geöffnet – und für Menschen aller Altersgruppen etwas bereithält. «Offene Druckwerkstatt» gehört dazu, Sommerworkshop zum Thema Postkartendruck und ganz speziell «Druck dein eigenes Buch», ein Workshop für Kinder, bei dem sie unter Anleitung von Flurina Badel erst eine eigene Geschichte aufschreiben und diese dann als Buch drucken, auch mit Linolschnitten als Illustrationen. Lohnende Angebote allesamt und dies auch angesichts der hohen Temperaturen draussen: in der Druckwerkstatt ist es angenehm kühl.

Das vollständige Programm findet sich hier: stamparia.ch

Konzentriert an der Druckpresse. Was da wohl rauskommt?
Konzentriert an der Druckpresse. Was da wohl rauskommt? © Jürg Wirth
Werkschau. So sieht das Resultat eines eintägigen Workshops aus.
Werkschau. So sieht das Resultat eines eintägigen Workshops aus. © Jürg Wirth

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