Die Scuolerin Arina Mayer mag es, auf Motta Naluns zu boarden, springt gerne mal in den Lai Nair oder spaziert dem Inn entlang, am liebsten aber bewegt sie sich in ganz anderen Gefilden. Weit weg von zu Hause, aktuell gerade auf den Malediven, wo sie als Reiseleiterin arbeitet.
Dieses Fernweh hat sie jetzt nicht gerade mit der Muttermilch verabreicht bekommen, trotzdem ist die Mutter Silvia schuld daran. Silvia Mayer führte lange Jahre das Hotel Panorama unterhalb des Hotel Bellaval in der Nähe der Umfahrungsstrasse gelegen. Arina wuchs in diesem Betrieb auf und kam dadurch schon früh mit der Tourismuswelt in Berührung und mit der Ferne. «Mami gab im Sommer und Winter immer Vollgas und arbeitete praktisch durch, gönnte sich dann aber während der Zwischensaisons im Frühling und Herbst je zwei Monate Ferien. Und diese verbrachte sie nicht einfach im Südtirol oder am Mittelmeer, sondern möglichst weit weg – und gemeinsam mit ihrer Tochter. So kam Arina schon in jungen Jahren nach Thailand, auf die Malediven, nach Amerika oder in den Oman und mit jedem bereisten Land wuchs die Faszination für fremde Kulturen, Traditionen und die kulinarischen Erlebnisse.
Im Tourismus, aber nicht im Hotel
Parallel dazu wurde Arinas Wunsch, dereinst im Tourismus tätig zu werden, immer grösser – allerdings nicht im eigenen Familienbetrieb. Als sie 16 Jahre alt war, wollte ihre Mutter wissen, ob Arina dereinst das Hotel übernehmen möchte, doch Arina wollte nicht. Sie wollte die Welt sehen und konnte sich Flugbegleiterin viel besser vorstellen als Hotelière. Kurz darauf trat sie die KV-Lehre bei der Rhätischen Bahn an, wo sie wohl auch schon ein bisschen was von der Welt zu sehen bekam, allerdings nur einen kleinen Ausschnitt. Immerhin ein wenig grösser wurde der Ausschnitt im Anschluss an die Lehre, denn Arina schrieb sich an der Tourismusfachschule in Zürich ein. Klar hätte sie dies auch in Samedan machen können, doch die Scuolerin wollte weg. Zudem hat Zürich einen Flughafen, da ist man, wenn man will, ganz schnell noch viel weiter weg. Auf die Schule hatte der Flughafen ebenfalls Auswirkungen, genauer auf den Stundenplan. Gab es doch verschiedene Fächer, die mit dem Flughafen zu tun hatten, wie beispielsweise Flughafenmanagement. Dieses und alle anderen Fächer beendete Arina im Juni 2024 erfolgreich und begab sich hernach auf eine ausgedehnte Reise. Sri Lanka, Thailand und Malaysia hiessen die Stationen. Vor allem von Thailand war die Scuolerin begeistert: «Die Leute tragen immer ein Lächeln auf den Lippen, sind dankbar dafür, dass Touristen kommen und das Essen ist mega.» Knapp acht Monate war sie schon unterwegs, als auf den Philippinen eine Kollegin für eine Weile dazustiess. Doch irgendwann packte sie ein Anflug von Heimweh und sie wollte unbedingt nach Hause zum Snowboarden. Wenig später standen die beiden nicht mehr im Meer, sondern auf der Motta.
Job auf den Malediven
Nach zwei Monaten hatte Arina wieder genug vom Schnee und suchte im Internet einen Job im Tourismus. Schon die erste Stelle interessierte sie brennend. Diese erhielt sie schliesslich auch, eben diejenige als Reiseleiterin eines deutschen Reiseanbieters auf den Malediven. Mittlerweile hat sie sich ins Land im Allgemeinen und in einen Bewohner des Inselstaates im Speziellen verliebt. Sie wohnt 35 Bootsminuten vom Flughafen entfernt in einem Resort, unternimmt in der Freizeit Ausflüge in die Hauptstadt Male, schnorchelt oder geht Stand-up-Paddeln. Und beim Arbeiten zeigt sie den Gästen die schönsten Orte auf den Inseln, die südöstlich von Sri Lanka liegen.
Jedoch wurde die Ruhe Anfang März, als die USA den Iran angriffen, empfindlich gestört. Wohl gibt es Direktflüge auf die Inseln ab Zürich, doch 80 Prozent der Gäste fliegen mit Zwischenstopp in Dubai oder Abu Dabi, was dann aber wegen der Angriffe des Irans auf diese Orte nicht mehr möglich war. 1500 Leute hätten sie in fünf Flügen evakuieren müssen. Die Gefühlslage der Gäste habe dabei von ausserordentlich stoisch bis zu hysterisch geschwankt. Doch alles sei gut gegangen. Seit da habe sie praktisch zwei Monate unbezahlte Ferien gehabt. Im Juni kam sie für einen längeren Besuch nach Scuol und flog Ende Monat wieder zurück in ihr neues Zuhause, wo sie die nächsten zwei bis drei Jahre bleiben will, auch bei und wegen ihrem Adam. So lange müssen sich Motta, Inn und Lai Nair nun wieder gedulden.