Er ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte und mittlerweile bereits eines der ältesten Mountainbike-Rennen der Schweiz: Der Nationalpark Bike-Marathon. Vor 25 Jahren erfunden von einigen findigen Menschen von den Bergbahnen Scuol, um die Sommersaison zu verlängern, ist er längst zum Klassiker geworden.
Zu Beginn standen den Bikerinnen und Bikern vier Strecken zur Verfügung: «Vallader», «Jauer», «Livignasco» und «Putèr». Alle vier können auch heute noch bestritten werden, mittlerweile sind aber weitere dazugekommen, damit noch mehr Sportlerinnen und Sportler an diesem beliebten Rennen teilnehmen können. Und obwohl «Nationalpark» im Titel des Rennens vorkommt, führt selbstverständlich keine Strecke durch den Park, sondern alle den Rändern entlang.
Die «Vallader» ist mit einer Länge von 141 Kilometern und 3848 Höhenmetern die eigentliche Königsdisziplin. Mit Start in Scuol führt sie erst nach S-charl und dann durch das gleichnamige Tal über den Costainas-Pass ins Val Müstair, von dort durch das langgezogene und malerische Val Mora nach Livigno, über den Chaschauna-Pass zurück nach S-chanf und von dort durchs Engadin bis nach Scuol.
Von vier auf fünf Strecken
Die «Jauer»-Strecke folgt dem Streckenverlauf der «Vallader», einfach mit Start in Fuldera der Rest ist dann gleich und das Ziel ebenfalls in Scuol. Wer sich für die «Livignasco»-Strecke entscheidet, steigt in Livigno ein, respektive startet dort und reiht sich dann auf der «Vallader»-Strecke ein. «Puter» galt lange als die Einsteigerstrecke mit Start in S-chanf und Ziel in Scuol, dazwischen das ganze Unterengadin mit verschiedenen Steigungen, wovon diejenige von Lavin nach Guarda die strengste sein dürfte. Zum 20-jährigen Jubiläum hat sich dann der Bike-Marathon noch eine «Einsteiger-Einsteiger-Strecke» geschenkt. «Zernezer» heisst sie und führt, wenig überraschend von Zernez bis nach Scuol, was einer Strecke von rund 33 Kilometern und 435 Höhenmetern entspricht.
Selbstverständlich ist das OK auf allfällige Wetterkapriolen vorbereitet und könnte Alternativstrecken aus dem Hut ziehen. Und wer jetzt monieren möchte, dass da ja für die kleinen Bikerinnen und Biker nichts dabei sei, der sei beruhigt, denn auch für die Kinder gibt es attraktive Angebote. Dies mit dem Kids-Race, welches Rundkurse von 1 bis 3 Kilometern beinhaltet, je nach Alter der Kinder, dann gibt es den Kid’s Funparcours und schliesslich noch die Kategorie Gross und Klein, wo Eltern oder Göttis oder Gotten mit ihren Kindern respektive Patenkindern ab S-chanf oder Zernez fahren können.
Laut der OK-Präsidentin Chantal Mayor hat sich die Ausweitung des Streckenangebotes durchaus bezahlt gemacht. Erstens kann der Bikemarathon seine Anmeldezahlen konstant hoch halten, nämlich bei über 1500 Teilnehmenden. Damit ist dies das Rennen mit den zweitmeisten Teilnehmenden, mehr kann nur noch das Grand Raid im Wallis verzeichnen. Zweitens sind die Zahlen nicht nur konstant, sondern steigen gerade für dieses Jahr sogar leicht im Vergleich zum Vorjahr.
Zahlreiche Übernachtungen
Das Team um Mayor hat in den letzten zwei Jahren noch weitere Zahlen zum Bike-Rennen erhoben und diese zeigen durchaus erfreuliche Ergebnisse, gerade auch was die Wertschöpfung für die Region angeht. Der grösste Teil der Sportlerinnen und Sportler, nämlich 80 Prozent, stammt aus der Schweiz, rund 9 Prozent reisen aus Deutschland an, die restlichen 11 Prozent teilen sich auf die umliegenden Länder auf. 85 Prozent kommen immer wieder, was insofern erfreulich ist, als dies auch Werbekosten spart, doch natürlich ist es auch schön, wenn sich neue Teilnehmende anmelden, dies sind dann die anderen rund 15 Prozent. Die Umfrage zur Art der Übernachtung haben im letzten Jahr 175 Personen ausgefüllt und von denen haben 77 Prozent in einem «warmen» Bett übernachtet, sprich in einem Hotel oder einer Ferienwohnung, lediglich 5,7 Prozent haben es sich in ihrer Zweitwohnung gemütlich gemacht. Und schön zu sehen ist auch, dass fast drei Viertel der Bikerinnen und Biker, genau gesagt 71 Prozent, 2 bis 3 Tage in der Region bleiben, 10 Prozent leben eh schon in der Gegend und 6 Prozent verlängern ihren Aufenthalt über 2 oder 3 Tage hinaus. Und nicht wenige nutzen den Marathon für ihre Familienferien und reisen bereits am vorherigen Wochenende an und verlängern so ihre Sommersaison und diejenige der hiesigen Tourismusregion. Also genau das, was die Organisierenden einst angestrebt hatten.