Entweder waren die Giacomettis Künstler oder Bäcker – oder beides. Recherchiert hat dies Robert Giacometti, als er der Geschichte des Familienunternehmens der Bäckerei Giacometti auf den Grund gegangen ist. Robert, selber Geschäftsführer der Bäckerei von 1977 bis 2010, hat zum 100-Jahr-Jubiläum eine Festschrift verfasst, in der er auf erstaunliche Neuigkeiten in der Geschichte seiner Ahnen gestossen ist. Grossartig unterstützt wurde er dabei von seiner Partnerin Silvia Egler. Gemeinsam haben sie Bekannte und Verwandte befragt, das Staatsarchiv und das Kulturarchiv Unterengadin durchforstet und die Kirchenbücher von Ftan und Sent unter die Lupe genommen. Herausgekommen ist dabei ein dichtes Werk mit vielen interessanten Informationen zur Geschichte der Giacomettis da la Palü im Allgemeinen und den Gründerinnen und Gründern der Bäckerei in Lavin im Speziellen, weiter über die Anfänge der Bäckerei und die Funktion der Backhäuschen oder warum eines davon zugemauert worden ist.
Viel mehr dazu soll hier nicht verraten werden, schliesslich gibt’s die Festschrift in der Bäckerei. Lediglich so viel sei vorweggenommen, die Giacomettis, die in Lavin Brot buken, waren nicht die einzigen ihrer Zunft in der Familie. Die übrigen Familienmitglieder waren in Betrieben in halb Europa tätig, namentlich in Lublin, Krakau, Paris, Menton, Rom, Modena, Savona und an anderen Orten mehr.
Der wichtigste Punkt am Ganzen ist aber, dass die Bäckerei Giacometti auch heute noch existiert, vorzüglich geführt von Miranda und Arthur Thoma-Giacometti. Gemeinsam mit ihren 15 Mitarbeitenden warten sie immer wieder mit Neuerungen auf, wie Holzofenbrot, Pizza oder speziellen Guetzli, ja gar Retro-Skipullover finden sich mittlerweile im Sortiment.
So erstaunt es nicht, dass die Bäckerei einer der letzten Betriebe im Unterengadin ist, der seine Produktion stetig ausdehnen kann.
Die Festschrift gibt’s in der Bäckerei Giacometti für 20 Fr. zu kaufen.