Padrutt posiert stolz vor der Alphütte.
Padrutt posiert stolz vor der Alphütte. © Album Bertogg

Der Käser von Lavin

Jürg Wirth In Lavin wurde schon in den 1930er gekäst. Damals rührte Padrutt Bertogg die Käsekelle. Johann Bertogg, sein Sohn, erinnert sich.

Stolz präsentiert Johann Bertogg sein Fotoalbum. «Das hier ist mein Vater Padrutt». Fast genauso stolz präsentiert sich dieser vor einer Alphütte, von der allerdings nur ein Ausschnitt zu sehen ist. In den Händen hält Padrutt eine grosse geschnitzte Holzkelle und eine «Harfe», zwei wichtige Käserutensilien. Denn Padrutt, geboren im Jahre 1906 und gestorben bereits 1961, war Käser, ausgebildet anlässlich eines Sennenkurses in Disentis, was ein Bild im Fotoalbum ebenfalls beweist.

Als Senn, respektive Käser kam Padrutt dann durchaus etwas in der Weltgeschichte herum, jedenfalls bis nach Lavin und Susch. Ab 1934 käste er dort im Sommer auf den Alpen Marangun, Lavinuoz und Fless, ebenfalls bildlich festgehalten. Dabei hat Padrutt nicht nur gekäst, sondern er musste zuerst auch melken, was die Bilder ebenfalls zeigen. Wunderbare stattliche Braunviehkühe mit Hörnern, gemolken einfach so auf der Wiese und nicht im Melkstand. 

Gekäst hat Padrutt aber nicht nur auf der Alp, sondern auch im Dorf in der dorfeigenen Käserei von Lavin. Diese befand sich unterhalb des neuen Schulhauses im ehemaligen Gemeindehaus und wird seit einigen Jahren auch wieder als Käserei genutzt. 

Entweder auf der Alp oder im Dorf muss er dann Elisa kennengelernt haben, die Mutter von Johann. Gut möglich, dass dies an einem geselligen Anlass geschehen ist, denn Padrutt spielte Handorgel und trat mit seinem Kollegen Peter Waldburger auch auf diversen kleinen Festchen auf. Jedenfalls schien das ziemlich schnell gegangen zu sein, denn bereits 1937 kam deren Sohn Johann zur Welt. Wie es damals üblich war, musste Johann, sobald er konnte, zu Hause mitanpacken, denn die Mutter führte einen kleinen Bauernbetrieb im Dorf, während der Vater als Käser tätig war. So musste er beispielweise beim Mist Einreiben helfen, was sich ebenfalls im Album belegen lässt: Da steht Mutter Elisa und hält den prächtigen Ochsen am Halfter, die Mistreibe angespannt und Klein-Johann sitzt oder liegt halb darauf, als Ballast gewissermassen.

Doch die Herrlichkeit in Lavin hatte bald ein Ende, denn die Familie Bertogg zog 1945 nach Domat/Ems, weil Padrutt dort die Dorfkäserei übernehmen konnte.

Johann aber behielt Lavin und das Elternhaus immer in guter Erinnerung und zog nach seiner Pensionierung gemeinsam mit seiner Frau Maja wieder ins Unterengadin.

 

Padrutt am Melken.
Padrutt am Melken. © Album Bertogg
Johanns Mutter Elsa.
Johanns Mutter Elsa. © Album Bertogg
Padrutt beim Musizieren.
Padrutt beim Musizieren. © Album Bertogg
Elsa und Johann beim  Mist einreiben.
Elsa und Johann beim Mist einreiben. © Album Bertogg

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