5 Fragen an Bibi Vaplan

Am 4. April 2026 treten Sie zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in Scuol im Scuol Palace auf. Ist man da besonders nervös? Klar bin ich etwas nervöser als an anderen Auftrittsorten. Aber die Freude, wieder in meinem Heimatort auftreten zu können, überwiegt eindeutig. Mit der Popcorn-Opera war es leider nicht möglich, in Scuol aufzutreten, weil dieses Projekt eine sehr grosse Bühne benötigt. Mir liegt es am Herzen, dass ich meine Musik mit meiner Heimat und den Leuten, die ich kenne, teilen kann und freue mich auf einen schönen Abend im Scuol Palace.

Nach der multimedialen Popcorn-Opera nun das interdisziplinäre Projekt Nektarmond 37, funktionieren «normale» Konzerte nicht mehr? Normale Konzerte funktionieren natürlich noch immer und werden auch veranstaltet. Nach einer ausgedehnten Tour 2019 habe ich aber gemerkt, dass mich das in der Form nicht mehr richtig befriedigt. Die Wertschätzung gegenüber der Musik, den Musiker*innen und überhaupt der Kunst und Kultur wird immer geringer. Das ist auch immer deutlicher an den Konzerten spürbar. Also habe ich 2020 beschlossen, mich zurückzuziehen und eine Vision zu erschaffen, die mich so stark inspiriert, dass ich genügend Energie und Freude habe, weiterzumachen. Daraus ist dann als Erstes die Popcorn-Opera entstanden, welche schweizweit das Publikum begeisterte.

Oder macht die Künstlerin lieber etwas Multimediales, leicht Verrücktes, weil sie da ihre Fantasie und Kreativität besser ausleben kann? Kreativität kann man auf verschiedene Arten ausleben, das kann auch ein Musikstück mit Klavierbegleitung sein. Mir gefällt es aber, das Publikum auf eine Reise mitzunehmen, tiefer in eine neue Welt einzutauchen, sich mit allen Sinnen berühren zu lassen. Bei der Popcorn-Opera haben wir sogar mit Gerüchen gearbeitet. Es ist zudem spannend, mit einem grossen Team zu arbeiten. Am meisten fasziniert es mich, wie aus einer Idee, einem Hauch Inspiration eine ganz neue Welt entstehen kann.

Wie ist das überhaupt als Künstlerin, lebt man da gut? Die Frage müsste eigentlich lauten: «Wie ist das eigentlich als Künstlerin, lebt man da?» Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, wie schwierig es im Moment in der Kunstszene ist und wie hart man für Gagen kämpfen muss. Das Konsumverhalten hat sich verändert, der Überfluss wird immer grösser, und das hat krasse Konsequenzen für uns Künstler*innen. Wir sind auf einem Niveau angekommen, das fürchterlich ist, das muss man so sagen. Ich bin dankbar, dass ich meinem Team eine Gage auszahlen kann und ich es irgendwie schaffe, am Ball zu bleiben. Aber die Gefühlslage in der Musik- und Kulturszene ist schlecht und demotiviert. Ich überlege da schon immer auch, wie es weitergehen soll. Und wie ich mich für mehr Wertschätzung und bessere Konditionen einsetzen könnte.

Oder könnten Sie sich auch ein anderes Leben vorstellen? Ich liebe mein Leben, in dem ich kreieren und organisieren kann, das inhaltlich reich ist und vor kreativer Vitalität strotzt. Aber dieses Leben hat auch seinen Preis. Ich weiss zum Beispiel nicht, wann ich das letzte Mal richtig frei gemacht habe, geschweige denn Ferien. Aber ich denke schon auch, dass, wenn es nicht mehr gehen würde, ich ein anderes Leben und auch glückliches Leben leben könnte. Aber so lange es irgendwie geht, mache ich weiter.

Bibi Vaplan aka Bianca Mayer stammt urspünglich aus Scuol. Nach der Matura hat sie Musik studiert, als Klavierlehrerin gearbeitet und in verschiedenen Bands gespielt. Seit 2014 ist sie als Bibi Vaplan unterwegs und 2020 hat sie mit der Popcorn-Opera ein multimediales Projekt erschaffen. Am 9. März erscheint Bibi Vaplans Debütnovelle Nektarmond 37. Zusätzlich zur Novelle präsentiert sie mit ihrem Team ein gleichnamiges Konzertprogramm, das in der magisch-absurden Mondwelt von Nektarmond 37 verankert ist. Am 4. April gastiert sie damit im Scuol Palace. www.bibivaplan.ch
Bibi Vaplan aka Bianca Mayer stammt urspünglich aus Scuol. Nach der Matura hat sie Musik studiert, als Klavierlehrerin gearbeitet und in verschiedenen Bands gespielt. Seit 2014 ist sie als Bibi Vaplan unterwegs und 2020 hat sie mit der Popcorn-Opera ein multimediales Projekt erschaffen. Am 9. März erscheint Bibi Vaplans Debütnovelle Nektarmond 37. Zusätzlich zur Novelle präsentiert sie mit ihrem Team ein gleichnamiges Konzertprogramm, das in der magisch-absurden Mondwelt von Nektarmond 37 verankert ist. Am 4. April gastiert sie damit im Scuol Palace. www.bibivaplan.ch © zvg

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