Vor rund 30 Jahren war es, als die Vierersesselbahn Mot da Ri gebaut wurde. 2’000 Personen pro Stunde betrug die Förderleistung damals wie heute, der Wind blies schon immer und die zuklappbaren Hauben wurden leider erst später erfunden. Nicht in erster Linie wegen der fehlenden Hauben, sondern wegen der erreichten Lebensdauer, modernisieren die Bergbahnen die Anlage im Sommer. Dann beträgt die Förderleistung 2280 Personen pro Stunde und die Hauben sind zuklappbar.
Was beim erneuerten Lift dann aber fehlen wird, ist die heimische Elektronik, wie Thomas Seiler, ALLEGRA-Leser und Zweitheimischer in Sent, weiss. Heimische Elektronik mit Namen «Melcher», denn so hiess der Erfinder. Domenic Melcher mit ganzem Namen aus Tschlin stammend und zum Studium und danach in die Welt aufbrechend, also zumindest bis Zürich, respektive Uster. Dort gründete er das Unternehmen Melcher, das sich auf hochpräzise, energieeffiziente Stromversorgungen spezialisierte, sogenannte Gleichstrom-Gleichstrom-Wandler. Bauteile, welche auch unter rauen Bedingungen solide und zuverlässige Leistungen erbrachten, weshalb sie in Zügen, bei der Automatisierung in der Industrie, der Medizinaltechnik oder der Telekommunikation Eingang fanden oder eben in Sesselliften.
Zuverlässig bei rauen Bedingungen
Beim Mot da Ri dimmen kleine Transformer 230 Volt, wie sie aus der Steckdose kommen, gleichmässig und zuverlässig auf 5 Volt runter. Das ist nötig, weil elektronische Steuerungen, wie sie beispielsweise in Sesselliften verbaut sind, nur mit 5 Volt funktionieren und nicht mit 230 Volt und am liebsten immer nur mit genau 5 Volt, ohne Schwankungen, egal wie die äusseren Bedingungen sind. Dieses kleine Kunststück gelang Melcher mit dem von ihm entwickelten Transformator. Mit der Zeit hatte er diverse Produkte für verschiedene Spannungen und Leistungen im Angebot. Das Ganze war immerhin so interessant, dass Melcher sein Unternehmen Mitte der 80er Jahre an die Elektrowatt, ein Unternehmen, welches erst Kraftwerke finanzierte und sich dann auf den Erwerb von Unternehmen im Elektro- und Elektronik-Sektor verlegte, verkaufen konnte. Melcher sei damals etwa 50 gewesen, erinnert sich Thomas Seiler. Seiler arbeitete damals bei der Elektrowatt und wurde nach dem Kauf CEO der Firma Melcher. Domenic Melcher selber genoss seinen vorzeitigen Ruhestand und kaufte sich einen Rolls Royce, wie sich Seiler erinnert. Allerdings war Melcher kein langer Ruhestand vergönnt, denn bereits mit knapp 60 Jahren sei er an einer Krankheit gestorben. Seine Erfindungen lebten bedeutend länger, auch wenn die Tage seiner Transformatoren im Mot da Ri Lift nun ebenfalls gezählt sind.